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Tipps an der Theke
Medium:Frankfurter Rundschau
Datum: 01.12.1999
Bald schon kann man in Kneipen auf Pferde wetten

Der deutsche Pferderennsport ist auf der Suche nach Auffrischung seiner finanziellen Ressourcen an ungewöhnlichen Orten fündig geworden. Bis 2002 sollen republikweit mehr als 1000 Wettannahmestellen in Gaststätten, Bistros und Autohöfen entstehen. Partner der Galopper und Traber ist dabei die italienische Firma Sisal, die zwischen Mailand und Palermo bereits rund 18 000 Wettläden betreibt, dort gigantische Umsätze schreibt. Entsprechende Verträge zwischen den Italienern und der neu gegründeten Vertriebsgemeinschaft Trab Galopp sind vergangenen Freitag unterschrieben worden.

Schon seit Jahren geistert das Schlagwort "Flächendeckendes Wettannahmestellennetz" durch den Raum. Bis jetzt konnte nur auf den Rennbahnen selbst sowie in rund 150 Annahmestellen von Buchmachern und Rennvereinen gesetzt werden, die Traber haben in den vergangenen Monaten in Spielhallen gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem noch zuwenig, um die prekäre finanzielle Situation im Rennsport zu verbessern. "Es ist dreißig Sekunden vor Zwölf", drückt es Christoph Berglar, Chefmanager des deutschen Galopprennsports, drastisch aus.

Allein die Galopprennvereine schieben eine Schuldenlast von mehr als 60 Millionen Mark vor sich her. Zwar wird sich der Wettumsatz im laufenden Jahr gegenüber 1998 leicht verbessern, doch laufen den Veranstaltern die Kosten davon. Auch im Traberlager sieht es alles andere als rosig aus.

Beispiel München: Ohne einen umfänglichen Grundstücksverkauf wären die Traber in Daglfing längst am Ende, bei den Galoppern in Riem hofft man auf einen ähnlichen Geldsegen, schließlich wird jedes Jahr ein sechsstelliges Minus produziert. In Gelsenkirchen forderte die örtliche CDU-Ratsfraktion einen Gläubigerausschuss für den in Liquiditätschwierigkeiten steckenden Horster Galopprennverein.

Frisches Geld tut also dringend not, und Sisal soll es bringen. Gerade wurde die Firma in den Enil-Konzern eingegliedert, Italiens größte staatliche Elektrizitätsgesellschaft mit einem Jahresumsatz in erheblicher Milliarden-Höhe. An Kapital für Investitionen wird es demnach nicht mangeln. Berglar sagt: "Das ganze steht unter dem Motto "Spaß und Spiel in der Freizeit".

Aus 67 Städten gibt es schon Interessenten. Kein Wunder, kostet doch die jeweiligen Gastwirte die Investition keine Mark, kassiert wird eine Provision. In dem 15-Jahres-Vertrag werden 1100 Annahmestellen bis zum Jahr 2002 garantiert. Und auch über die zu erwartenden Umsätze haben sich die Verantwortlichen schon Gedanken gemacht. Rund 600 Millionen Mark will man 2002 zusätzlich hereinholen. 220 Millionen davon sollen ins Galopperlager fließen.

Damit soll auch der Abfluss der Wettgelder in Internet-Wetten und die vom Lotto bald bundesweit eingeführte Sportwette Oddset gestoppt werden. Wenn italienische Maßstäbe angelegt werden, dann könnte über dem deutschen Pferderennsport der Wohlstand hereinbrechen: Allein 1998 betrug der Wettumsatz in Italien immerhin fünf Milliarden Mark. sid


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