Bald schon kann man in Kneipen auf Pferde wetten Der deutsche Pferderennsport ist auf der Suche nach
Auffrischung seiner
finanziellen Ressourcen an ungewöhnlichen Orten fündig
geworden. Bis
2002 sollen republikweit mehr als 1000 Wettannahmestellen in
Gaststätten, Bistros und Autohöfen entstehen. Partner der
Galopper und
Traber ist dabei die italienische Firma Sisal, die zwischen
Mailand und
Palermo bereits rund 18 000 Wettläden betreibt, dort
gigantische Umsätze
schreibt. Entsprechende Verträge zwischen den Italienern und
der neu
gegründeten Vertriebsgemeinschaft Trab Galopp sind
vergangenen Freitag
unterschrieben worden.
Schon seit Jahren geistert das Schlagwort "Flächendeckendes
Wettannahmestellennetz" durch den Raum. Bis jetzt konnte nur
auf den
Rennbahnen selbst sowie in rund 150 Annahmestellen von
Buchmachern
und Rennvereinen gesetzt werden, die Traber haben in den
vergangenen
Monaten in Spielhallen gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem
noch zuwenig,
um die prekäre finanzielle Situation im Rennsport zu
verbessern. "Es ist
dreißig Sekunden vor Zwölf", drückt es Christoph Berglar,
Chefmanager
des deutschen Galopprennsports, drastisch aus.
Allein die Galopprennvereine schieben eine Schuldenlast von
mehr als 60
Millionen Mark vor sich her. Zwar wird sich der Wettumsatz im
laufenden
Jahr gegenüber 1998 leicht verbessern, doch laufen den
Veranstaltern die
Kosten davon. Auch im Traberlager sieht es alles andere als
rosig aus.
Beispiel München: Ohne einen umfänglichen Grundstücksverkauf
wären
die Traber in Daglfing längst am Ende, bei den Galoppern in
Riem hofft
man auf einen ähnlichen Geldsegen, schließlich wird jedes
Jahr ein
sechsstelliges Minus produziert. In Gelsenkirchen forderte
die örtliche
CDU-Ratsfraktion einen Gläubigerausschuss für den in
Liquiditätschwierigkeiten steckenden Horster
Galopprennverein.
Frisches Geld tut also dringend not, und Sisal soll es
bringen. Gerade
wurde die Firma in den Enil-Konzern eingegliedert, Italiens
größte
staatliche Elektrizitätsgesellschaft mit einem Jahresumsatz
in erheblicher
Milliarden-Höhe. An Kapital für Investitionen wird es demnach
nicht
mangeln. Berglar sagt: "Das ganze steht unter dem Motto "Spaß
und Spiel
in der Freizeit".
Aus 67 Städten gibt es schon Interessenten. Kein Wunder,
kostet doch die
jeweiligen Gastwirte die Investition keine Mark, kassiert
wird eine
Provision. In dem 15-Jahres-Vertrag werden 1100
Annahmestellen bis
zum Jahr 2002 garantiert. Und auch über die zu erwartenden
Umsätze
haben sich die Verantwortlichen schon Gedanken gemacht. Rund
600
Millionen Mark will man 2002 zusätzlich hereinholen. 220
Millionen davon
sollen ins Galopperlager fließen.
Damit soll auch der Abfluss der Wettgelder in Internet-Wetten
und die
vom Lotto bald bundesweit eingeführte Sportwette Oddset
gestoppt
werden. Wenn italienische Maßstäbe angelegt werden, dann
könnte über
dem deutschen Pferderennsport der Wohlstand hereinbrechen:
Allein 1998
betrug der Wettumsatz in Italien immerhin fünf Milliarden
Mark. sid