Wenn das Spielen Unglück bringt Kiel (ah) Für die einen ist es ein Freizeitvergnügen, für die anderen der
Einstieg in eine Suchtkarriere: das Glücksspiel. Insbesondere das Spiel an
Geldspielautomaten birgt nach Einschätzung der Landesstelle gegen die
Suchtgefahren (LSSH) in Kiel ein erhebliches Suchtrisiko - Tendenz
steigend. Um den Gefährdeten möglichst früh helfen zu können, hat das
Land mit Beratungsstellen, Kommunen und den Betreibern der Spielbank
Schleswig-Holstein GmbH ein Hilfekonzept erarbeitet. Damit setzt, wie
LSSH-Geschäftsführer Bernd Heinemann erklärt, Schleswig-Holstein
bundesweit neue Maßstäbe.
Nicht jeder, der beispielsweise ständig am "Daddelautomaten" steht, gilt als
süchtig. Nach Ansicht
von Fachleuten müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Beispiel: Das
Spiel wird zum Lebensinhalt, ein
Aufhören ist unmöglich. Süchtige vernachlässigen Freunde, Familie, die
Arbeit, der Schuldenberg wächst.
Rund 8000 Menschen gelten in Schleswig-Holstein als gefährdet, etwa 5000
sind spielsüchtig. "Das kann so weit
gehen, dass der oder die Betroffene nicht mehr in der Lage ist, das eigene
Leben zu lenken", sagt Bernd Mukian
von der Suchtberatungsstelle der Evangelischen Stadtmission in Kiel.
In der Suchtberatung spielt das Glückspiel bislang eher eine untergeordnete
Rolle. Das will das neue Konzept
ändern. Heinemann: "Wir wollen nicht neue Beratungsstellen nur für
Spielsüchtige schaffen, sondern bestehende
Einrichtungen für diesen Bereich qualifizieren. Außerdem soll die
Zusammenarbeit enger werden." In Kiel und
Lübeck, wo es regionale Suchthilfekonzepte gibt, gibt es ein breites
Hilfsangebot. Anders ist es in den Kreisen
Ostholstein, Plön und Herzogtum Lauenburg, dort fehlen spezielle Angebote.
In den Kreisen
Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde gibt es Defizite in der
ambulanten Betreuung, in den Kreisen
Pinneberg, Segeberg und Stormarn mangelt es an ambulanten Hilfen. Auch sei
die Spielsucht noch nicht als
eigenständige Krankheit anerkannt - "entsprechend schwierig ist die
Kostenübernahme für eine Therapie", sagt
Günter Masur, Leitender Therapeut am Fachkrankenhaus Bredstedt.
Heinemann: "Wir wollen durch Prävention regelrechte Suchtkarrieren
vermeiden." Ob diese Ideen finanzierbar
sind, ist noch offen: "Wir haben ein Konzept erarbeitet, politische Vorgaben
können wir nicht machen", sagt er.
Erste Schritte sind aber bereits getan. So werden die Mitarbeiter der
Spielbank Schleswig-Holstein in speziellen
Kursen geschult, um Gefährdete durch Gespräche auf Hilfsangebote aufmerksam
zu machen. "Das ist ein
Experiment", sagt Andreas Speck (LSSH). Bislang gebe es ein so vernetztes
Angebot, bei dem sowohl Betreiber
und Kommunen an einem Tisch sitzen, nur in den Niederlanden.