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Spielbanken machen mit bei Suchtvorsorge
Medium:Kieler Nachrichten
Datum: 04.12.1999
Wenn das Spielen Unglück bringt

Kiel (ah) Für die einen ist es ein Freizeitvergnügen, für die anderen der Einstieg in eine Suchtkarriere: das Glücksspiel. Insbesondere das Spiel an Geldspielautomaten birgt nach Einschätzung der Landesstelle gegen die Suchtgefahren (LSSH) in Kiel ein erhebliches Suchtrisiko - Tendenz steigend. Um den Gefährdeten möglichst früh helfen zu können, hat das Land mit Beratungsstellen, Kommunen und den Betreibern der Spielbank Schleswig-Holstein GmbH ein Hilfekonzept erarbeitet. Damit setzt, wie LSSH-Geschäftsführer Bernd Heinemann erklärt, Schleswig-Holstein bundesweit neue Maßstäbe. Nicht jeder, der beispielsweise ständig am "Daddelautomaten" steht, gilt als süchtig. Nach Ansicht von Fachleuten müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Beispiel: Das Spiel wird zum Lebensinhalt, ein Aufhören ist unmöglich. Süchtige vernachlässigen Freunde, Familie, die Arbeit, der Schuldenberg wächst.

Rund 8000 Menschen gelten in Schleswig-Holstein als gefährdet, etwa 5000 sind spielsüchtig. "Das kann so weit gehen, dass der oder die Betroffene nicht mehr in der Lage ist, das eigene Leben zu lenken", sagt Bernd Mukian von der Suchtberatungsstelle der Evangelischen Stadtmission in Kiel.

In der Suchtberatung spielt das Glückspiel bislang eher eine untergeordnete Rolle. Das will das neue Konzept ändern. Heinemann: "Wir wollen nicht neue Beratungsstellen nur für Spielsüchtige schaffen, sondern bestehende Einrichtungen für diesen Bereich qualifizieren. Außerdem soll die Zusammenarbeit enger werden." In Kiel und Lübeck, wo es regionale Suchthilfekonzepte gibt, gibt es ein breites Hilfsangebot. Anders ist es in den Kreisen Ostholstein, Plön und Herzogtum Lauenburg, dort fehlen spezielle Angebote. In den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde gibt es Defizite in der ambulanten Betreuung, in den Kreisen Pinneberg, Segeberg und Stormarn mangelt es an ambulanten Hilfen. Auch sei die Spielsucht noch nicht als eigenständige Krankheit anerkannt - "entsprechend schwierig ist die Kostenübernahme für eine Therapie", sagt Günter Masur, Leitender Therapeut am Fachkrankenhaus Bredstedt.

Heinemann: "Wir wollen durch Prävention regelrechte Suchtkarrieren vermeiden." Ob diese Ideen finanzierbar sind, ist noch offen: "Wir haben ein Konzept erarbeitet, politische Vorgaben können wir nicht machen", sagt er. Erste Schritte sind aber bereits getan. So werden die Mitarbeiter der Spielbank Schleswig-Holstein in speziellen Kursen geschult, um Gefährdete durch Gespräche auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen. "Das ist ein Experiment", sagt Andreas Speck (LSSH). Bislang gebe es ein so vernetztes Angebot, bei dem sowohl Betreiber und Kommunen an einem Tisch sitzen, nur in den Niederlanden.


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