Syke. Eine der letzten spielhallenfreien Bastionen soll fallen: Nach
zwölfjährigem (!) Clinch mit der Stadt Syke darf der Osnabrücker
Gastwirt Franz Kemper seine Automaten hier aufstellen. Eigenen
Angaben zufolge unterhält Kemper schon rund 40 solcher
Vergnügungsstätten. Warum die für den Sommer angekündigte
Eröffnung der beiden in der Bahnhofstraße und in der Gartenstraße
geplanten Spielcafés monatelang auf sich warten ließ, verrät der
Unternehmer im Gespräch mit unserer Zeitung.
Sonnabend, 11. Dezember 1999 Herr Kemper, wo bleiben die Syker Spielhallen?
Ich schätze, dass noch vor Weihnachten in der Bahnhofstraße aufgemacht
wird, spätestens aber Anfang des neuen Jahres. Die Behörden brauchten
leider so lange für die Genehmigung. Sie verlangten einen Notausgang. In der
Gartenstraße beginnen wir erst mit der Gebäuderenovierung. Das kann noch
dauern.
Was empfinden Sie so kurz vor dem Ziel - für das Sie jahrelang vor den
Gerichten ringen mussten, bis es zur außergerichtlichen Einigung
kam?
Gefühle soll man ja nicht preisgeben. Ich kann nur sagen: Mein Kampf hat
sich gelohnt.
Mancher hätte den langwierigen Rechtsstreit gescheut. Wieso sind Sie
so hartnäckig geblieben?
Zugegeben, es ging mir auch ums Prinzip. Ich war stets überzeugt, am Ende
Recht zu bekommen. Die Gewerbefreiheit kann eben nicht durch
planungsrechtliche Tricks außer Kraft gesetzt werden.
Haben Sie auch Verständnis für Widerstand gegen die Spielhallen?
Denen haftete schließlich lange Zeit der Ruch an, Brutstätten von
Kriminalität und Spielsucht zu sein?
Nein, großes Verständnis dürfen Sie da von mir nicht erwarten. Und
überhaupt, das schlechte Image basiert doch nur auf Vorurteilen, die in der
Realität jeglicher Grundlage entbehren. In manchen Discos droht mehr Gefahr.
Eine Spielhalle steht bei uns immer unter Aufsicht von geschultem Personal.
Das sind Leute, die wirklich was davon verstehen. Die gucken sich jeden Gast
ganz genau an und sehen sofort, wenn was nicht stimmt.
Gibt es darüber hinaus Sicherheitsbestimmungen für Ihre
Einrichtungen?
Jugendliche im Alter unter 18 Jahren haben keinen Zutritt. Und es wird kein
Tropfen Alkohol ausgeschenkt. Natürlich sind auch Drogen aller Art verboten.
Das wird strikt überwacht. Ehrlich, in den ganzen 30 Jahren, in denen ich mit
Spielotheken zu tun hatte, ist nie was vorgefallen.
Welche Bedeutung hat für Sie das Thema Spielsucht?
Das spielt aus meiner Sicht eine untergeordnete Rolle, weil diese Fälle viel
seltener sind als weithin angenommen. Das ist eine persönliche
Charakterschwäche wie Sex-, Drogen- oder Lottosucht.
Fördern Sie das aber nicht auch durch Ihr Gewerbe?
Das kann man nicht fördern und auch nicht verhindern. Es sei denn vielleicht,
man würde alles rigoros verbieten - vom Alkoholkonsum bis zur staatlichen
Lotterie.
Was sind das nach Ihrer Erfahrung eigentlich für Menschen, die ihre
Zeit an Spielautomaten verbringen?
Das sind ganz normale Leute vom Arbeiter bis zum Beamten - also Menschen
wie du und ich. Die kommen hauptsächlich einfach so zur Unterhaltung.
Billiard, Dart, Snooker, Flipper oder Kicker und wie sie alle heißen sind
wirklich ein schöner Zeitvertreib. Das werden auch die Syker bald raushaben.
Frank Bagdatopulos