Spielbank Kötzting soll den Run auf die grenznahen
Spielcasinos im Nachbarland bremsen / Einweihung
im Februar 2000Von unserem Redakteur Alois Dachs
KÖTZTING.
"Die Baufachleute haben uns alle gewarnt, dass wird den Termin
Silvester 1999 nicht halten könnten, aber wir wollten es wenigstens
versuchen", sagt Kötztings Bürgermeister Wolfgang Ludwig. Der
"Traumtermin" Silvester war für die Eröffnung der Spielbank vorgesehen,
die wegen Verzögerungen in der Bauphase nun auf 25.Februar 2000
verschoben werden musste.
Landrat Theo Zellner machte kürzlich bei einer Besichtigung der
Baustelle durch Kreisräte der größten Fraktion deutlich, dass die
Spielbank Kötzting einerseits wirtschaftlich sicher sei, weil die
Staatliche Lotterieverwaltung als Betreiber die Garantie für absolute
Zuverlässigkeit biete, andererseits langfristig für die Kommune eine
erkleckliche Einnahmequelle darstelle. Nicht umsonst hätten sich über
40 Orte um dieses einzige Spielcasino der Oberpfalz beworben, meinte
Zellner.
Auch Bürgermeister Wolfgang Ludwig sieht gute Chancen für eine
baldige Amortisation des luxuriösen Bauwerkes. Die Stadt bekommt
neben einer stattlichen Monatsmiete in den ersten fünf Jahren zehn,
danach 15 Prozent der Bruttoeinnahmen und der Bürgermeister meint,
"es müsste schon mit dem Teufel zugehen", wenn daraus kein Vorteil
für Kötzting entstünde. Riskieren kann die Stadt im Prinzip nichts,
denn die 27 Millionen Mark für den Spielbank-Bau wurden auf dem
Kapitalmarkt aufgenommen und sollen aus den Einnahmen langfristig
zurückgezahlt werden.
Hoffnung macht dem Kötztinger Stadtoberhaupt dabei auch der
gelungene Start in Bad Füssing, wo der Rohertrag der Spielbank in den
ersten Monaten weit über dem von der Staatlichen Lotterieverwaltung
errechneten Soll liegt.
Der Grund, warum die Spielbank hier angesiedelt wurde, nachdem über
40 Bewerber das Projekt wollten, hänge mit der Abwanderung vieler
Spieler ins tschechische Grenzgebiet zusammen, erklärte Landrat
Theo Zellner. Die dortigen Casinos betreiben nach Aussage Zellners
massiv Werbung. Deshalb müsse etwas getan werden, um dieser
Wert-, bzw. Kaufkraftabschöpfung durch solche Einrichtungen im
Ausland gegenzusteuern.
"Das wird nicht einfach werden", ist Zellner überzeugt, "aber ich bin mir
sicher, dass sich Qualität auch auf diesem Sektor durchsetzen wird."
Im sogenannten "Großen Spiel" werden in Kötzting mehrere Roulette-
und zwei Black-Jack-Tische installiert, während in das "Kleine Spiel"
rund 50 Spielautomaten kommen. Die Frischluft für die Spielsäle - in
denen ständig eine Temperatur von 20 bis 22 Grad gehalten werden
muss - wird in Kötzting durch den Teppichboden geblasen, die Entlüftung erfolgt
über die Decke.
Beide Spielsäle sind mit einem sonnengesteuerten Lichtschutz
ausgestattet. Die großen Vertikaljalousien passen ihre Einstellung dem
Stand der Sonne an, damit im Spielbereich keine Blendung durch die
großen Glasfronten entstehen kann.
Gigantische Frisch- und Abluftmaschinen im Keller, die
Heizungsanlage und Tausende von Kabeln, die zur Vernetzung der
elektronischen Spielgeräte zusammengeschlossen werden müssen,
beeindrucken derzeit Besucher der Baustelle. Zur Eröffnung der
Spielbank am 25. Februar sollen beheizte Zelte für rund 600 Personen
aufgebaut werden, die als Gäste erwartet werden, wenn erst die Kugel
rollt im Casino Kötzting.