Deutsche Praktiker bilden Eidgenossen zu professionellen Croupiers aus von STANDARD-Mitarbeiterin Bernadette Calonego aus Zürich
Der Deutsche Norbert Korn ist in besonderer Mission in Zürich unterwegs.
Der 48-jährige Croupier aus dem Casino
Konstanz rollt derzeit seine Kugel in einem Geschäftshaus. Dort geht es
nicht nur um Zahlen und Zaster, sondern vor
allem um die Frage "Wie baut man eine Spielbank auf?" Denn die Schweizer
kennen zwar die Kunst der
Geldvermehrung in Banken und Börsen. Doch die professionelle Arbeit in den
Spielbanken müssen ihnen die
Deutschen beibringen.
In der Schweiz waren Casinos seit 1926 verboten. Erst vor sechs Jahren
beschlossen die Stimmbürger, das Verbot
aufzuheben. Diesen Stimmungswandel ermöglichte vor allem die Tatsache, dass
ein Großteil der künftigen Abgaben
der Spielbanken für die staatliche Altersvorsorge verwendet werden soll.
Ende des kommenden Jahres wird die
Schweizer Regierung die Lizenzen für die Casinos vergeben. Dann werden bis
zu 2000 Croupiers gebraucht.
Deutsche Fachleute wie Norbert Korn kommen deshalb zum Einsatz: "Wir bieten
das Know-how an", sagt der
Konstanzer mit 25 Jahren Casino-Erfahrung. In Zürich hat die "Grand Casino
SA" einen Übungsraum mit
schummrigem Licht, schweren Gardinen und Spiegeldecke eingerichtet. Beim
Unterricht für das American Roulette
erläutert Korn, mit welchem Handgriff die Roulettemaschine angeworfen wird.
Dann ergreift er mehrere Stangen mit
Jetons und mahnt: "Es wird alles geschoben". Vier Frauen und sieben Männer
staunen, warum Korn so wahnwitzig
schnell rechnen kann. "Man geht immer von Bildern aus", verrät er, "da muss
man nur gucken, nicht groß rechnen."
Schnell denken
Ein 39-jähriger Personalchef ist beeindruckt, wie anspruchsvoll die Arbeit
des Croupiers ist: "Er muss schnell denken,
die Übersicht behalten und gleichzeitig ein Show-Man sein." Dass er sich
für den Beruf eignet, glaubt er heute schon.
"Den Schweizern liegt der Umgang mit Geld ohnehin", sagt er.
Einen 22-jährigen Versicherungsangestellten reizt, dass er einen Beruf
lernen kann, den noch niemand in der Schweiz
hat. Bekannte haben ihn schon gefragt, ob Croupier denn etwas Seriöses sei.
Derlei Skepsis kennt Lehrer Korn: "Viele
sehen nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt." Es dauere fünf bis sieben
Jahre, bis man "fertiger Croupier" sei.
Noch geben die Schweizer laut Schätzungen umgerechnet bis zu 2,57 Mrd.
Schilling (187 Mio. EURO) jährlich in
ausländischen Spielcasinos aus - ungefähr so viel, wie die "Casino Austria"
als Jahresspielumsatz angibt. Die Gäste
im Casino Konstanz, sagt Korn, kamen zu 80 Prozent aus der Schweiz.
Dass Deutsche wie Korn oder sein Kollege Helmut Fettig aus Baden-Baden
jetzt die Konkurrenz aufbauen helfen, will
der Konstanzer Croupier nicht gelten lassen. "Die Schweizer Spielbanken
brauchen die Fremdarbeiter aus dem
Ausland", zumindest am Anfang, sagt er. Zudem ist die "German Casino
Management Group", der die Spielbanken in
Konstanz und Baden-Baden gehören, an zwei geplanten Schweizer Casinos
finanziell beteiligt.