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Die Schweiz wird Spielbanken-Land
Medium:Der Standard
Datum: 23.11.1999
Deutsche Praktiker bilden Eidgenossen zu professionellen Croupiers aus

von STANDARD-Mitarbeiterin Bernadette Calonego aus Zürich

Der Deutsche Norbert Korn ist in besonderer Mission in Zürich unterwegs. Der 48-jährige Croupier aus dem Casino Konstanz rollt derzeit seine Kugel in einem Geschäftshaus. Dort geht es nicht nur um Zahlen und Zaster, sondern vor allem um die Frage "Wie baut man eine Spielbank auf?" Denn die Schweizer kennen zwar die Kunst der Geldvermehrung in Banken und Börsen. Doch die professionelle Arbeit in den Spielbanken müssen ihnen die Deutschen beibringen.

In der Schweiz waren Casinos seit 1926 verboten. Erst vor sechs Jahren beschlossen die Stimmbürger, das Verbot aufzuheben. Diesen Stimmungswandel ermöglichte vor allem die Tatsache, dass ein Großteil der künftigen Abgaben der Spielbanken für die staatliche Altersvorsorge verwendet werden soll. Ende des kommenden Jahres wird die Schweizer Regierung die Lizenzen für die Casinos vergeben. Dann werden bis zu 2000 Croupiers gebraucht.

Deutsche Fachleute wie Norbert Korn kommen deshalb zum Einsatz: "Wir bieten das Know-how an", sagt der Konstanzer mit 25 Jahren Casino-Erfahrung. In Zürich hat die "Grand Casino SA" einen Übungsraum mit schummrigem Licht, schweren Gardinen und Spiegeldecke eingerichtet. Beim Unterricht für das American Roulette erläutert Korn, mit welchem Handgriff die Roulettemaschine angeworfen wird. Dann ergreift er mehrere Stangen mit Jetons und mahnt: "Es wird alles geschoben". Vier Frauen und sieben Männer staunen, warum Korn so wahnwitzig schnell rechnen kann. "Man geht immer von Bildern aus", verrät er, "da muss man nur gucken, nicht groß rechnen."

Schnell denken

Ein 39-jähriger Personalchef ist beeindruckt, wie anspruchsvoll die Arbeit des Croupiers ist: "Er muss schnell denken, die Übersicht behalten und gleichzeitig ein Show-Man sein." Dass er sich für den Beruf eignet, glaubt er heute schon. "Den Schweizern liegt der Umgang mit Geld ohnehin", sagt er.

Einen 22-jährigen Versicherungsangestellten reizt, dass er einen Beruf lernen kann, den noch niemand in der Schweiz hat. Bekannte haben ihn schon gefragt, ob Croupier denn etwas Seriöses sei. Derlei Skepsis kennt Lehrer Korn: "Viele sehen nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt." Es dauere fünf bis sieben Jahre, bis man "fertiger Croupier" sei.

Noch geben die Schweizer laut Schätzungen umgerechnet bis zu 2,57 Mrd. Schilling (187 Mio. EURO) jährlich in ausländischen Spielcasinos aus - ungefähr so viel, wie die "Casino Austria" als Jahresspielumsatz angibt. Die Gäste im Casino Konstanz, sagt Korn, kamen zu 80 Prozent aus der Schweiz.

Dass Deutsche wie Korn oder sein Kollege Helmut Fettig aus Baden-Baden jetzt die Konkurrenz aufbauen helfen, will der Konstanzer Croupier nicht gelten lassen. "Die Schweizer Spielbanken brauchen die Fremdarbeiter aus dem Ausland", zumindest am Anfang, sagt er. Zudem ist die "German Casino Management Group", der die Spielbanken in Konstanz und Baden-Baden gehören, an zwei geplanten Schweizer Casinos finanziell beteiligt.


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