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Spielsucht: Am Ende viele Schulden - Genau wie eine Droge - Anfangserfolge machen leichtsinnig
Medium:Südwest Presse
Datum: 29.11.1999
Die Suchtbilanz des Buchhalters Alex T. aus einer süddeutschen Großstadt ist niederschmetternd: Der 28-Jährige wurde in Spielcasinos schwach und verspielte eine halbe Million Mark, die er in der Firma unterschlagen hatte. Auf Anfangserfolge folgten Verluste, während der Roulette-Kessel rotierte.

"Der Traum vom schnellen Glück endet häufig in Abhängigkeit und Sucht", stellten Suchtexperten bei einer Fachtagung in Bielefeld fest. Ganz zu schweigen von den finanziellen Nöten, in die eine Familie durch das Glücksspiel geraten könne. Bundesweit gibt es nach vorsichtigen Schätzungen von Fachleuten etwa 120 000 pathologische Spieler. Eine stationäre Behandlung der Spielsucht kostet, wie Fachärzte errechneten, bis zu 25 000 Mark.

Die staatlichen Einnahmen beim Glücksspiel sind im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt (Wiesbaden) auf 7,5 (1997: 6,8) Milliarden Mark gestiegen. Nach Berechnungen des bundesweiten Fachverbandes Glücksspielsucht mit Sitz in Herford sind knapp 40 Prozent der Glücksspieler durchschnittlich mit Beträgen zwischen 10 000 und 50 000 Mark verschuldet. In den neuen Ländern habe sich die Spielleidenschaft bei jungen Männern inzwischen zur "Droge Nummer zwei" nach Alkohol entwickelt, berichtete Martina Allstedt vom Suchtzentrum Leipzig, einer ambulanten Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und -kranke.

Die Spielsucht habe sich zu einem "wahren Massenphänomen entwickelt, dem alle Beteiligten fast ratlos gegenüberstehen", meinte der Psychologe Prof. Gerhard Meyer von der Universität Bremen. Einmal beim Glücksspiel gelandet, verlören die Betroffenen schnell die Kontrolle über ihr Spielverhalten: "Sie können nicht mehr Vernunft gesteuert reagieren, verspüren ein unwiderstehliches Verlangen, weiterzuspielen." Nach Darstellung Meyers berichten Zocker am häufigsten über "innere Unruhe und Reizbarkeit, die sie in dieser Situation erleben". Sobald die erste Münze in den Spielautomaten gesteckt oder der erste Plastikjeton am Roulettetisch platziert worden sei, setze ein beruhigendes Gefühl ein.

Unkontrolliertes Spielverhalten führt, wie der Fachverband Glücksspielsucht ermittelte, auf die Dauer fast zwangsläufig zunächst zu finanziellen, später auch zu psychosozialen Folgeschäden. "Über die soziale Isolation bis hin zur Kriminalität reicht die Skala der möglichen Folgen, wenn das große Glück ausbleibt", sagte die Verbandsvorsitzende Ilona Füchtenschnieder. Zur Finanzierung der steigenden Spieleinsätze müssten ständig neue Einnahmequellen erschlossen werden. Am Anfang stehe das überzogene Girokonto oder der Kleinkredit, am Ende die maßlose Verschuldung von Haus und Hof oder der tiefe Fall in die Beschaffungskriminalität.

Nach Auffassung der Expertin haben Spielbanken noch nicht genügend "Sensibilität" im Umgang mit Spielsüchtigen entwickelt. Als Vorbild nannte sie Casinos in England, Österreich und den Niederlanden, in denen Suchtkomitees sich um "auffällige" Spieler kümmerten und notfalls Sperren verhängten.


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