Schwerer Bandendiebstahl vor dem Amtsgericht -
Angeklagtes Trio fiel in der Spielbank im SI-Zentrum auf Kann man mit Hilfe einer Zahnseidegabel einen
Geldspielautomaten so manipulieren, dass er mehr Geld
ausspuckt? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das
Amtsgericht Stuttgart, bei dem drei Männer im Alter zwischen
29 und 36 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt
sind.
VON HENDRIK KRUSCH
Die Beweisaufnahme verläuft schleppend. Drei Türken aus
Duisburg und Moers sollen am 8. März vergangenen Jahres im
Automatensaal der Spielbank im Möhringer SI-Zentrum mehrere
Geräte mit Hilfe einer Zahnseidegabel manipuliert haben, lautet
die Anklage. Während der 36-jährige Hauptangeklagte mit dem
Zahnreinigungsgerät durch den Geldauswurfschacht eine
Lichtschranke im Gerät unterbrochen haben soll, um so an
höhere Gewinne zu kommen, hätten die beiden anderen den
Vorgang verdeckt, indem sie die Kameras der
Videoüberwachung mit ihren Körpern abschirmten. Der
Schaden soll mindestens 912 Mark betragen, da bei einem
Automaten der Inhalt des Geldspeichers um diese Summe mit
der elektronischen Anzeige differierte.
Das Trio streitet die Anklage ab. Die drei Verteidiger einigten
sich auf eine Strategie der Aufklärung, denn es gilt eine ganze
Reihe von "Zufällen" zu erklären. Bei der Verhaftung wurden
ein Automatenschlüssel, Plastikplättchen und die Zahnseidegabel
in der rechten Jackentasche des 36-jährigen Duisburgers
gefunden. "Die Zahnseidegabel habe ich immer bei mir",
beteuert dieser seine Unschuld. Diese Utensilien, so die Ansicht
der Staatsanwaltschaft, seien für die Manipulation benötigt
worden. Außerdem hatten alle drei Männer bei ihrer Festnahme
im Casino höhere Geldsummen bei sich und diese teilweise auch
noch in Münzen. Der 33-jährige Angeklagte, der seit 1998 die
deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist zudem einschlägig
vorbestraft. Er wurde 1992 wegen eines ähnlichen Falls in
Moers zu einer Geldstrafe verurteilt.
Beim ersten Verhandlungstag am Dienstag vernahm Richter
Saam mehrere Zeugen und schaute sich die
Überwachungsvideos an. Einer der Casino-Angestellten sagte
aus: "Das war nicht das Verhalten normaler Spieler." Daraufhin
sei die Polizei verständigt worden. Auch die Beamten hätten vor
Ort eine Manipulation beobachtet, steht in einer verlesenen
Aktennotiz.
Schlüsselfigur im Fall ist der Hauptangeklagte, dem außerdem
vorgeworfen wird, sich der Festnahme widersetzt zu haben. Sein
Verteidiger erklärt dessen gute Kenntnisse in der
Automatentechnik so: "Der Angeklagte beschäftigt sich seit
seiner Festnahme nur noch mit Automaten, um seine Unschuld
zu beweisen." Staatsanwaltschaft und Richter halten dem
entgegen, dass der Angeklagte sich bereits beim Haftrichter sehr
kundig gezeigt habe. Die Verteidigung setzt nun auf die Aussage
eines Sachverständigen. In einem Gutachten verneint dieser die
Möglichkeit einer Manipulation. Das Verfahren wird am
Donnerstag fortgesetzt.