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Mit der Zahnseidegabel Geldautomaten überlistet?
Medium:Stuttgarter Nachrichten
Datum: 29.09.1999
Schwerer Bandendiebstahl vor dem Amtsgericht - Angeklagtes Trio fiel in der Spielbank im SI-Zentrum auf

Kann man mit Hilfe einer Zahnseidegabel einen Geldspielautomaten so manipulieren, dass er mehr Geld ausspuckt? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Amtsgericht Stuttgart, bei dem drei Männer im Alter zwischen 29 und 36 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt sind.

VON HENDRIK KRUSCH

Die Beweisaufnahme verläuft schleppend. Drei Türken aus Duisburg und Moers sollen am 8. März vergangenen Jahres im Automatensaal der Spielbank im Möhringer SI-Zentrum mehrere Geräte mit Hilfe einer Zahnseidegabel manipuliert haben, lautet die Anklage. Während der 36-jährige Hauptangeklagte mit dem Zahnreinigungsgerät durch den Geldauswurfschacht eine Lichtschranke im Gerät unterbrochen haben soll, um so an höhere Gewinne zu kommen, hätten die beiden anderen den Vorgang verdeckt, indem sie die Kameras der Videoüberwachung mit ihren Körpern abschirmten. Der Schaden soll mindestens 912 Mark betragen, da bei einem Automaten der Inhalt des Geldspeichers um diese Summe mit der elektronischen Anzeige differierte.

Das Trio streitet die Anklage ab. Die drei Verteidiger einigten sich auf eine Strategie der Aufklärung, denn es gilt eine ganze Reihe von "Zufällen" zu erklären. Bei der Verhaftung wurden ein Automatenschlüssel, Plastikplättchen und die Zahnseidegabel in der rechten Jackentasche des 36-jährigen Duisburgers gefunden. "Die Zahnseidegabel habe ich immer bei mir", beteuert dieser seine Unschuld. Diese Utensilien, so die Ansicht der Staatsanwaltschaft, seien für die Manipulation benötigt worden. Außerdem hatten alle drei Männer bei ihrer Festnahme im Casino höhere Geldsummen bei sich und diese teilweise auch noch in Münzen. Der 33-jährige Angeklagte, der seit 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist zudem einschlägig vorbestraft. Er wurde 1992 wegen eines ähnlichen Falls in Moers zu einer Geldstrafe verurteilt.

Beim ersten Verhandlungstag am Dienstag vernahm Richter Saam mehrere Zeugen und schaute sich die Überwachungsvideos an. Einer der Casino-Angestellten sagte aus: "Das war nicht das Verhalten normaler Spieler." Daraufhin sei die Polizei verständigt worden. Auch die Beamten hätten vor Ort eine Manipulation beobachtet, steht in einer verlesenen Aktennotiz.

Schlüsselfigur im Fall ist der Hauptangeklagte, dem außerdem vorgeworfen wird, sich der Festnahme widersetzt zu haben. Sein Verteidiger erklärt dessen gute Kenntnisse in der Automatentechnik so: "Der Angeklagte beschäftigt sich seit seiner Festnahme nur noch mit Automaten, um seine Unschuld zu beweisen." Staatsanwaltschaft und Richter halten dem entgegen, dass der Angeklagte sich bereits beim Haftrichter sehr kundig gezeigt habe. Die Verteidigung setzt nun auf die Aussage eines Sachverständigen. In einem Gutachten verneint dieser die Möglichkeit einer Manipulation. Das Verfahren wird am Donnerstag fortgesetzt.


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