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Das Spiel mit dem Glück als Sucht Glücksspiel kann zu Abhängigkeit wie Alkohol führen - Österreichweite Beratung
Medium:Salzburger Nachrichten
Datum: 02.10.1999
Von Gabriele Rampl

Etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung sind krankhafte Spieler. Betroffen sind im Bundesdurchschnitt überwiegend Männer zwischen 18 und 35 Jahren. Glücksspiel kann zu einer ähnlichen Abhängigkeit führen wie Alkohol. Ein Pilotprojekt an der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie bietet Betroffenen nun erstmals Beratung und Therapie. "Ein hoher Anfangsgewinn bildet meist den Beginn der Spielsucht. Der Betroffene will immer wieder gewinnen, sein gesamtes Denken gerät allmählich in den Bann des Glücksspiels", erklärt die Leiterin des Projektes an der Psychiatrie, Oberärztin Dr. Regina Prunnlechner-Neumann. Das nötige Kalkül, das ein Spieler braucht, und der emotionale "Kick" führen zur hohen Suchtpotenz des Glücksspiels. Die Sucht nach dem Glück wird damit "in die Nähe von Zwangsphänomenen gerückt, wie etwa bei Alkohol- oder Suchtgiftkranken", so die Expertin. 25 krankhafte "Gambler", die vor allem durch Automatenspiele und Roulette Summen von 100.000 bis fünf Millionen Schilling verspielt hatten, wurden behandelt. Rund ein Fünftel dieser Patienten hatte durch intensives jahrelanges Glücksspiel bereits Arbeit oder Wohnung verloren.

Hilfe durch Selbsthilfe Regionale Angebote

Erste Ergebnisse des Pilotprojektes zeigen Erfolge. Rund die Hälfte der Betroffenen hat seit Aufnahme der Therapie nicht mehr gespielt. Die Behandlung ist grundlegend als Selbsthilfe gestaltet. "Die Betroffenen kommen in der Gruppe zusammen, sprechen sich aus und lernen voneinander. Gemeinsam werden dann Strategien entwickelt", erklärt die Therapeutin. Vergleichbare Hilfsangebote gibt es bisher in Wien, Linz und Salzburg. Glücksspiel ist kein neuzeitliches "Laster". Würfel aus Elfenbein, Knochen oder Stein wurden bereits in 4000 Jahre alten ägyptischen Gräbern entdeckt. Auch in unseren Breiten fanden sich Würfel- und Brettspiele aus der Frühzeit des "Gambling". Mit Diagnose und Therapie des Glücksspiels beschäftigen sich Ärzte bereits seit dem 16. Jahrhundert. Dass es in allen Kulturen Glücksspiele gab, ist dokumentiert. Die Reihe pathologischer Spieler liest sich zum Teil als "Who's who" der Geschichte. Mehrere römische Kaiser waren spielsüchtig. Die Germanen, denen römische Legionäre das "Würfeln" beibrachten, waren so begeistert, dass sie sogar ihre persönliche Freiheit als Einsatz ins Spiel brachten. In der Neuzeit waren Karl VII. oder Ludwig XIV. pathologische Spieler. Als "feuriges Kribbeln über den ganzen Leib" beschrieb Fjodor Dostojewski sein Gefühl beim Gewinnen. Der Schriftsteller hat sich selbst als Spielsüchtigem mit dem Werk "Der Spieler" ein literarisches Denkmal gesetzt.


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