Von Gabriele RamplEtwa 1,5 Prozent der Bevölkerung sind krankhafte Spieler. Betroffen sind im
Bundesdurchschnitt überwiegend Männer zwischen 18 und 35 Jahren. Glücksspiel
kann zu einer ähnlichen Abhängigkeit führen wie Alkohol. Ein Pilotprojekt an der
Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie bietet Betroffenen nun erstmals
Beratung und Therapie.
"Ein hoher Anfangsgewinn bildet meist den Beginn der Spielsucht. Der Betroffene
will immer wieder gewinnen, sein gesamtes Denken gerät allmählich in den Bann
des Glücksspiels", erklärt die Leiterin des Projektes an der Psychiatrie,
Oberärztin Dr. Regina Prunnlechner-Neumann. Das nötige Kalkül, das ein Spieler
braucht, und der emotionale "Kick" führen zur hohen Suchtpotenz des
Glücksspiels.
Die Sucht nach dem Glück wird damit "in die Nähe von Zwangsphänomenen gerückt,
wie etwa bei Alkohol- oder Suchtgiftkranken", so die Expertin. 25 krankhafte
"Gambler", die vor allem durch Automatenspiele und Roulette Summen von 100.000
bis fünf Millionen Schilling verspielt hatten, wurden behandelt. Rund ein
Fünftel dieser Patienten hatte durch intensives jahrelanges Glücksspiel bereits
Arbeit oder Wohnung verloren.
Hilfe durch Selbsthilfe
Regionale Angebote
Erste Ergebnisse des Pilotprojektes zeigen Erfolge. Rund die Hälfte der
Betroffenen hat seit Aufnahme der Therapie nicht mehr gespielt. Die Behandlung
ist grundlegend als Selbsthilfe gestaltet. "Die Betroffenen kommen in der Gruppe
zusammen, sprechen sich aus und lernen voneinander. Gemeinsam werden dann
Strategien entwickelt", erklärt die Therapeutin. Vergleichbare Hilfsangebote
gibt es bisher in Wien, Linz und Salzburg.
Glücksspiel ist kein neuzeitliches "Laster". Würfel aus Elfenbein, Knochen oder
Stein wurden bereits in 4000 Jahre alten ägyptischen Gräbern entdeckt. Auch in
unseren Breiten fanden sich Würfel- und Brettspiele aus der Frühzeit des
"Gambling". Mit Diagnose und Therapie des Glücksspiels beschäftigen sich Ärzte
bereits seit dem 16. Jahrhundert.
Dass es in allen Kulturen Glücksspiele gab, ist dokumentiert. Die Reihe
pathologischer Spieler liest sich zum Teil als "Who's who" der Geschichte.
Mehrere römische Kaiser waren spielsüchtig. Die Germanen, denen römische
Legionäre das "Würfeln" beibrachten, waren so begeistert, dass sie sogar ihre
persönliche Freiheit als Einsatz ins Spiel brachten.
In der Neuzeit waren Karl VII. oder Ludwig XIV. pathologische Spieler. Als
"feuriges Kribbeln über den ganzen Leib" beschrieb Fjodor Dostojewski sein
Gefühl beim Gewinnen. Der Schriftsteller hat sich selbst als Spielsüchtigem mit
dem Werk "Der Spieler" ein literarisches Denkmal gesetzt.