(Bad Füssing)Die berühmte Ermahnung der
Croupiers am Roulettetisch, dass "nichts mehr
geht", lässt sich in Bad Füssing vom kommenden
Wochenende an recht passend ins Gegenteil
verkehren: In dem niederbayerischen Badekurort
soll es mit der Eröffnung der sechsten bayerischen
Spielbank nämlich erst so richtig losgehen
zumindest was die Gästezahlen und Einnahmen für
den Gemeindehaushalt angeht. Mehr Besucher und
Umsatz können Gemeinde, Hotels, Restaurants und
Geschäfte durchaus brauchen: Schließlich hat der
Ort schlimm leiden müssen unter der
Seehoferschen Gesundheitsreform. Nun aber hat Bad Füssing eine Spielbank als neue
Attraktion: Heute Abend werden die Tische für
Roulette, Black Jack und Poker wie auch die 84
Geldspielautomaten von Finanzminister Kurt
Faltlhauser zunächst für die Ehrengäste freigegeben.
Am Samstag führt das Personal beim >=Tag der
offenen Tür das geschätzte Publikum in die
Geheimnisse der diversen Glücksspiele ein, und von
19 Uhr an darf dann erstmals so richtig gesetzt
werden. Die Erkenntnis, dass der Bau einer
staatlichen Spielbank noch nie der öffentlichen Hand
geschadet hat, war wohl einer der Gründe dafür,
dass die Staatsregierung vor fünf Jahren beschloss,
in Bad Füssing, Kötzting, Feuchtwangen und Bad
Steben neue Stätten für das Spiel mit dem Glück zu
schaffen. Am schnellsten waren die Füssinger mit
dem Bau ihrer Spielbank im Frühjahr 2000
werden Kötzting und Feuchtwangen folgen, in der
ersten Jahreshälfte 2001 Bad Steben. Den Stadt-
und Gemeindeverwaltungen bescheren die
Spielbanken es werden dann insgesamt neun in
Bayern sein neben einer erheblichen
Imageaufwertung auch so etwas wie eine Lizenz
zum Gelddrucken.
Allein für die Bad Füssinger Spielbank rechnet der
Bürgermeister Franz Gnan mit einem jährlichen
"Bruttospielertrag" in Höhe von 15, vielleicht auch
17 Millionen Mark. Das sperrige Wort
>=Bruttospielertrag wird von der Beamtenschaft
sinnigerweise mit >=BSE abgekürzt was freilich
nicht auf eine sich zum Wahn auswachsende
Spielsucht hindeuten soll, sondern die Menge
Geldes meint, die Spieler an die jeweilige Bank
verlieren. Vom >=BSE erhält Bad Füssing seinen
gerechten Anteil, und am Ende, meint Bürgermeister
Gnan, werde pro Jahr wohl eine schöne, runde
Million mehr als bisher im Gemeindehaushalt
verbucht werden können. In den bisherigen fünf
bayerischen Spielbanken belief sich die gesamte
>=BSE-Summe im vergangenen Jahr übrigens auf
stolze 144 Millionen Mark.
Bevor es ans Einnehmen geht, müssen die Bad
Füssinger jedoch erst einmal den Bau des
Spielbank-Gebäudes abzahlen, das rund 19
Millionen Mark gekostet hat. Dafür hat die
Gemeindeverwaltung mit der beauftragten Baufirma
und einer Bank ein Leasingmodell ausgehandelt. Es
sieht vor, dass nach 22 Jahren und sechs Monaten
die Vorfinanzierung abgestottert sein soll, was der
Gemeinde allerdings keine horrenden Summen
abverlangt, weil der Freistaat ja schließlich Miete
für
das Spielbank-Gebäude zahlt, wenn auch >=keine
kostendeckende, wie der Bürgermeister feststellt.
Gut acht Millionen Mark musste Bad Füssing für
Grunderwerb und Erschließung aufbringen, und
auch der Freistaat durfte erst einmal investieren:
Zehn Millionen kosteten die Inneneinrichtung und ein
höchst ausgeklügeltes Sicherheitssystem.
Unterm Strich, meint Franz Gnan, verspreche er
sich sehr viel von der Spielbank: Vor allem setzt er
darauf, dass zur Freude der Hotellerie, der
Gastronomie und der kommunalen wie privaten
Kureinrichtungen >=Leute nach Bad Füssing
kommen, die ohne Spielbank nicht herkommen
würden. Und wir hoffen, dass denen unser Bad
Füssing so gefällt, dass sie sagen: Wir kommen mal
wieder hierher. Schließlich habe Bad Füssing ja
einiges zu bieten jede Menge Badebecken mit
warmem Thermalwasser, das neben der
Entspannung auch Linderung bei Rheuma- und
Gelenkbeschwerden bewirkt. Gnan schwebt vor,
>=eine Symbiose herzustellen zwischen unserem
heilkräftigen Wasser und der Spielbank. Um diesen
Verlockungen noch eins drauf zu setzen, wird im
Frühjahr 2001 ein 18-Loch-Golfplatz eröffnet.