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Merkwürdigkeiten um Spielbank-Aus |
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Medium:Leipziger Volkszeitung
Datum: 10.09.1999 |
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Vorwurf: Planung für Klassisches Spiel ging trotz
Schließungs-Beschluss noch Monate lang weiter Leipzig/Dresden. Dicke Luft bei den Spielbanken im
Freistaat. Anfang Oktober vergangenen Jahres
verkündete
Sachsens Finanzminister Georg Milbradt als
Gesellschafter das Aus für das Klassische Spiel in
Leipzig
und Dresden, und infolge ging 92 Casino-Mitarbeitern
die
Kündigung zu. Dennoch wurde die alternative Planung
für
den Bau eines neues Spielcasinos mit Roulette und
Black
Jack im Coselpalais im Zentrum der Landeshauptstadt
längere Zeit weiter betrieben. Eröffnungstermin
sollte im
Februar 2000 sein. Dies geht aus Unterlagen hervor,
die
unserer Zeitung vorliegen. "Damit täuschten der
Freistaat
und die Geschäftsführung der Spielbanken nicht nur
Belegschaft und Öffentlichkeit, sondern auch die
Arbeitsgerichte", sagte gestern Ulrich Keßler, Anwalt
gekündigter Spielbank-Mitarbeiter. Jetzt will er
Strafantrag
stellen wegen versuchten Prozessbetrugs sowie wegen
Behinderung der Einigungsstelle, die über den
Interessenausgleich und Sozialplan zu befinden hat.
Das
sächsische Finanzministerium verwahrte sich gegen die
Vorwürfe. Sprecherin Vera Kretschmer versicherte
gegenüber unserer Zeitung, dass nach dem verkündeten
Aus und der gescheiterten Einigung mit Gewerkschaft
und
Betriebsrat im Oktober 1998 die Pläne für ein neues
Casino mit den klassischen Spielarten Black Jack und
Roulette im Coselpalais fallen gelassen wurden. "Ab
diesem Zeitpunkt gab es keine Veranlassung mehr, über
alternative Planungen nachzudenken", sagte sie. Aus
Unterlagen des mit der Planung einer Spielbank im
Coselpalais beauftragten Darmstädter Architektenbüros
geht allerdings anderes hervor: Nachweislich bis
mindestens Anfang dieses Jahres waren die Architekten
mit der Einrichtung des Klassischen Spiels dort
befasst.
Allerdings wurde Stillschweigen über das Vorhaben
vereinbart. Nach einer Beratung zwischen Planern und
dem derzeitigen Spielbanken-Prokuristen Michael Bauer
im Januar 1999 wurde protokolliert: "Von Herrn Bauer
wird
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Inhalt
dieser
Besprechung gegenüber Dritten nicht zur Kenntnis
gebracht werden darf. Offiziell handelt es sich hier
um die
Planung einer Spielbank mit Automatenspiel."
Pikanterweise wurde vereinbart, den Schriftverkehr
zwischen den Darmstädter Architekten und der
Spielbanken GmbH + Co. KG über die Privatanschrift
Bauers abzuwickeln. Der sieht nichts Ungewöhnliches
darin. "Dienstpost erreicht mich oft daheim oder in
Hotels."
Allerdings bestritt der Prokurist gegenüber unserer
Zeitung
die Einrichtung des Klassischen Spiels im Coselpalais
nach dem von Milbradt verkündeten Ende. Lediglich an
der
Einrichtung des Automatenspiels in dem renomierten
Haus, das im nächsten Jahr eröffnet werden soll, sei
bis
dieses Frühjahr festgehalten worden. Aber auch das
habe
man dann verworfen. Offensichtlich ziele die
angekündigte
Schließung des Klassischen Spiels "allein darauf ab,
sich
von einer unliebsamen Belegschaft bequem zu trennen",
behauptete Anwalt Keßler. Das Finanzministerium
begründete hingegen die Entscheidung mit den hohen
Defiziten der Spielbanken. Ende September dieses
Jahres
sei das Klassische Spiel - Roulette und Black Jack -
in
den Casinos Dresden und Leipzig wegen hoher Defizite
zu
schließen. 92 von 121 Mitarbeitern der sächsischen
Spielbanken verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Wegen
der
aus seiner Sicht weiter fortgeführten Planung sieht
Keßler
einen Hebel, den Freistaat zur Kasse zu bitten.
"Dadurch
wird er sämtliche Kündigungsschutzprozesse
verlieren",
prophezeit der Anwalt. Hierdurch entstehen seiner
Meinung nach Kosten für Lohnfortzahlung, Sozialplan
und
Einigungsstelle in Höhe von mehreren Millionen DM.
Gelder, so Keßler, die der Steuerzahler aufbringen
muss. Andreas Dunte |
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