Seit Mittwoch, 13.15 Uhr, ist das
Glücksspiel in Hannover eine
innerstädtische Angelegenheit. Mit
einem Wurf auf die Zahl 36 des
Roulette-Kessels brachte
Kugelstoß-Olympionike Michael
Mertens die Kugel ins Rollen - im
neuen Spielbank-Domizil an der
Osterstraße (City).3,5 Millionen Mark hat die landeseigene Spielbanken
Niedersachsen GmbH in die gemieteten Räume investiert.
Obwohl die EU-Kommission über eine Freigabe des
Wettbewerbs beim Zocken nachdenkt und Konkurrenz
durchs virtuelle Spiel am Heimcomputer droht.
"Spielbank live ist auch in Zukunft unverzichtbar", meinte
Geschäftsführer Dieter Wöstmann, als er die 150 Gäste auf
nachtblau marmoriertem Teppichboden im großen Spiel zur
offiziellen Eröffnung begrüßte.
Auf die Zukunft setzt auch der Aufsichtsratschef,
Innenstaatssekretär Werner Lichtenberg. Die Liberalisierung
des Glücksspiels indes sei eine "gefährliche Entwicklung" -
wenn sie denn komme. Ein finanzielles Risiko: Das Land
kassiert von seinen Kasinos 88 Prozent des
Brutto-Spielertrags. Das sind 170 Millionen Mark jährlich.
Zum Brutto-Ertrag des Unternehmens trägt die Spielbank
Hannover etwa 50Millionen Mark bei. Rund 130.000
Kunden pro Jahr hatten bisher das große Spiel am Maschsee
besucht. Sprecher Hayo Göhmann hofft, dass sich diese Zahl
am neuen Standort noch steigern lässt.
Auch die 155 Automaten im Erdgeschoss sollen dazu
beitragen, dass die Gewinne immer munter sprudeln. Das alte
kleine Spiel in der Kurt-Schumacher-Straße wird
aufgegeben, das Haus am Maschsee zu Tagungs- und
Gasträumen für das Marriott-Hotel umgebaut.
mk, HANNOVER
Haus geht. Der Gutachter weiter: "Tatsächlich war er aber
nicht an der Uni, sondern ab 11.30 Uhr in der Spielbank."
Dieser Unterschied zwischen Schein und Sein hatte nach
Ansicht des Gutachters zwei Ursachen: Zum einen könne
man den Angeklagten als unreife Persönlichkeit mit
mangelnder Kritikfähigkeit bezeichnen, die in den Tag hinein
lebe. Zudem habe der Student etwa 1993 angefangen,
regelmäßig in Kasinos zu spielen. Aus beiden Faktoren
habe sich dann ein Teufelskreis entwickelt. So habe der
30-Jährige immer öfter gespielt und dabei bis zu 18 000
Mark in einer Woche verloren. Insgesamt kamen etwa
100 000 Mark Verluste in fünf Jahren zusammen. Trotzdem
glaubte er nach einem Gewinn von 7000 Mark weiter an den
großen Jackpot. Die Spirale drehte sich immer schneller.
Der Gutachter: Am Ende habe der Angeklagte die
Tankstellen überfallen, "um doch noch den großen Coup zu
landen, und von da an seinem Leben eine andere Richtung
zu geben".
Auch der Angeklagte erzählte, er sei zu den Tankstellen
gefahren, nachdem er in Kasinos verloren hatte: "Ich war
nervlich fertig und wollte weiterspielen. Ich wollte den
Jackpot knacken. Ich hatte das Gefühl, dass ich kurz davor
bin." Vor Ort bedrohte er jeweils die Kassierer mit einer
Schreckschusspistole. Sie war bei den ersten beiden Fällen
im Juni 1997 und im Januar 1998 nicht geladen. Im
November 1998 überfiel der Angeklagte dann drei
Tankstellen mit geladener Waffe und trug dabei zweimal
eine Maske über dem Kopf. Und nachdem der 30-Jährige im
vorletzten Fall von einem couragierten Kassierer vertrieben
worden war, schlug er eine Stunde später erneut zu. Kurz
darauf wurde er festgenommen. Die Spirale aus Spielsucht
und Straftaten war unterbrochen. Ob sie sich nach der
Haftentlassung des Mannes wieder dreht, hängt nun von
ihm ab. Seine psychische Erkrankung - wegen der ihm
verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt wurde - ist mit Hilfe
von Psychotherapeuten heilbar.