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Jetzt rollt die Kugel in der City
Medium:Neue Presse
Datum: 02.09.1999
Seit Mittwoch, 13.15 Uhr, ist das Glücksspiel in Hannover eine innerstädtische Angelegenheit. Mit einem Wurf auf die Zahl 36 des Roulette-Kessels brachte Kugelstoß-Olympionike Michael Mertens die Kugel ins Rollen - im neuen Spielbank-Domizil an der Osterstraße (City).

3,5 Millionen Mark hat die landeseigene Spielbanken Niedersachsen GmbH in die gemieteten Räume investiert. Obwohl die EU-Kommission über eine Freigabe des Wettbewerbs beim Zocken nachdenkt und Konkurrenz durchs virtuelle Spiel am Heimcomputer droht.

"Spielbank live ist auch in Zukunft unverzichtbar", meinte Geschäftsführer Dieter Wöstmann, als er die 150 Gäste auf nachtblau marmoriertem Teppichboden im großen Spiel zur offiziellen Eröffnung begrüßte.

Auf die Zukunft setzt auch der Aufsichtsratschef, Innenstaatssekretär Werner Lichtenberg. Die Liberalisierung des Glücksspiels indes sei eine "gefährliche Entwicklung" - wenn sie denn komme. Ein finanzielles Risiko: Das Land kassiert von seinen Kasinos 88 Prozent des Brutto-Spielertrags. Das sind 170 Millionen Mark jährlich.

Zum Brutto-Ertrag des Unternehmens trägt die Spielbank Hannover etwa 50Millionen Mark bei. Rund 130.000 Kunden pro Jahr hatten bisher das große Spiel am Maschsee besucht. Sprecher Hayo Göhmann hofft, dass sich diese Zahl am neuen Standort noch steigern lässt.

Auch die 155 Automaten im Erdgeschoss sollen dazu beitragen, dass die Gewinne immer munter sprudeln. Das alte kleine Spiel in der Kurt-Schumacher-Straße wird aufgegeben, das Haus am Maschsee zu Tagungs- und Gasträumen für das Marriott-Hotel umgebaut.

mk, HANNOVER

Haus geht. Der Gutachter weiter: "Tatsächlich war er aber nicht an der Uni, sondern ab 11.30 Uhr in der Spielbank."

Dieser Unterschied zwischen Schein und Sein hatte nach Ansicht des Gutachters zwei Ursachen: Zum einen könne man den Angeklagten als unreife Persönlichkeit mit mangelnder Kritikfähigkeit bezeichnen, die in den Tag hinein lebe. Zudem habe der Student etwa 1993 angefangen, regelmäßig in Kasinos zu spielen. Aus beiden Faktoren habe sich dann ein Teufelskreis entwickelt. So habe der 30-Jährige immer öfter gespielt und dabei bis zu 18 000 Mark in einer Woche verloren. Insgesamt kamen etwa 100 000 Mark Verluste in fünf Jahren zusammen. Trotzdem glaubte er nach einem Gewinn von 7000 Mark weiter an den großen Jackpot. Die Spirale drehte sich immer schneller. Der Gutachter: Am Ende habe der Angeklagte die Tankstellen überfallen, "um doch noch den großen Coup zu landen, und von da an seinem Leben eine andere Richtung zu geben".

Auch der Angeklagte erzählte, er sei zu den Tankstellen gefahren, nachdem er in Kasinos verloren hatte: "Ich war nervlich fertig und wollte weiterspielen. Ich wollte den Jackpot knacken. Ich hatte das Gefühl, dass ich kurz davor bin." Vor Ort bedrohte er jeweils die Kassierer mit einer Schreckschusspistole. Sie war bei den ersten beiden Fällen im Juni 1997 und im Januar 1998 nicht geladen. Im November 1998 überfiel der Angeklagte dann drei Tankstellen mit geladener Waffe und trug dabei zweimal eine Maske über dem Kopf. Und nachdem der 30-Jährige im vorletzten Fall von einem couragierten Kassierer vertrieben worden war, schlug er eine Stunde später erneut zu. Kurz darauf wurde er festgenommen. Die Spirale aus Spielsucht und Straftaten war unterbrochen. Ob sie sich nach der Haftentlassung des Mannes wieder dreht, hängt nun von ihm ab. Seine psychische Erkrankung - wegen der ihm verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt wurde - ist mit Hilfe von Psychotherapeuten heilbar.


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