Das große Spiel in Bad Dürkheim hat Geburtstag. Heute wird die
Spielbank 50 Jahre alt. Gefeiert wird im Casino besonders mit den
langjährigen Gästen. Doch Grund zum Feiern haben auch das Land
Rheinland-Pfalz und die Stadt Bad Dürkheim: Sie profitieren in
hohem Maße von der Spielfreude der Spielbank-Gäste. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Spielbank
ein Bruttospielergebnis von 43 Millionen Mark.
Davon zahlt sie 87 Prozent Abgaben. Zehn
Prozent kommen direkt der Stadt zugute,
weitere zehn Prozent der Staatsbad GmbH, die
für den Kurbetrieb verantwortlich zeichnet, und
das Geld ebenfalls in Bad Dürkheim investiert.
So sind also aus dem Spielbankergebnis allein im vergangenen Jahr 8,6
Millionen Mark in der Stadt geblieben.
Insgesamt, so Spielbankdirektor Michael Seegert, hat die Spielbank Bad
Dürkheim seit ihrem Bestehen über 500 Millionen Mark Abgaben gezahlt.
Rund 100 Millionen sind davon in Dürkheim geblieben, die restlichen 400
Millionen gingen ans Land und wurden von dort verteilt.
Seegert ist zuversichtlich, dass die positive Entwicklung des Casinos anhält,
obwohl das "große Spiel" (Roulette, Black Jack, Baccara) insgesamt in
einer Krise ist. Immer mehr Spielbanken setzen auf die Automatenspiele.
Dieses sogenannte "kleine Spiel" boomt, während die Besucher und
Einsatzzahlen beim klassischen Spiel nachlassen.
Bad Dürkheim blieb bisher von dieser Entwicklung verschont. Nach wie vor
kommen jährlich rund 150.000 Gäste in die Bank, über 50.000 besuchen
den Automatensaal, den es seit 1978 gibt. Der positive Trend lässt sich auch
an einer anderen Zahl ablesen: Vor zwölf Jahren noch lag die Bank am
Umsatz gemessen auf Platz 25 der 45 deutschen Spielbanken, inzwischen ist
sie auf Platz elf vorgerückt.
Dieser Erfolg hat verschiedene Ursachen. Zum einen liegt Dürkheim
verkehrstechnisch günstig im Rhein-Neckar-Dreieck. Zum anderen aber
unternimmt die Geschäftsleitung viel, um das Casino attraktiv zu halten.
Etliche, viele Millionen Mark teuere Umbauten im Laufe ihrer Geschichte
sind ein Beispiel. Dazu kommen Werbeaktivitäten wie das größte Roulette
der Welt, das im Guinnessbuch der Rekorde steht und alle zwei Jahre bei
der großen Kurpark-Gala aufgebaut wird. Zudem wirbt die Bank bei so
erfolgreichen Sportvereinen wie Dürkheimer Hockeyclub, 1. FC
Kaiserslautern und den Mannheimer Eishockey- "Adlern".
Seegert will neue Kleiderordnung
Doch Marketing alleine ist für Seegert zu wenig. Er möchte langfristig den
Charakter der Spielbank verändern. Der Besuch am Roulettetisch soll noch
stärker ein Freizeitvergnügen werden, nicht nur das Spiel soll das Erlebnis
sein, sondern auch das Ambiente, die Atmosphäre. Seegert will zudem auch
neue Besuchergruppen ansprechen. Hierzu möchte der Spielbank-Direktor
nach und nach die Kleiderordnung modifizieren. "Ordentlich gekleidet"
sollen die Gäste zwar auch weiterhin sein. Aber warum der Träger von
Edeljeans draußen bleiben muss, während der Besucher im abgewetzten
Cordanzug herein darf, ist kaum noch zu vermitteln.
Als vor 50 Jahren das erste Spiel gemacht wurde, waren natürlich alle
Festgäste in feines Tuch gewandet. Und die erste Kugel, die im Roulette
kreiste, war aus vergoldetem Elfenbein. Ins Spiel gebracht hatte sie
Madame Brozen-Favereau, die Mutter des damaligen französischen
Generalgouverneurs. Danach haben noch viele berühmte Persönlichkeiten in
der Bad Dürkheimer Spielbank ihr Glück versucht, die sich schnell zu einem
gesellschaftlichen Faktor entwickelte: Theodor Heuss steht ebenso auf der
Gästeliste wie Max Schmeling und Hildegard Knef.
Fünf Mal nacheinander die Zahl 23
Viel Zeit hatten die Verantwortlichen 1949 übrigens nicht, um das Spiel ins
Rollen zu bringen. Nur eine Woche vor dem Start, am 2. September 1949,
hatte das rheinland-pfälzische Kabinett beschlossen, die Konzession der
Spielbank Bad Neuenahr auf Dürkheim auszuweiten. Innerhalb einer Woche
wurde dann der heutige kleine Kursaal zum Spielsaal mit zwei Roulettes und
zwei Baccara-Tischen.
Ein ganz besonderer Tag für die Spielbank war auch der 2. März 1988.
Damals landete am Roulette-Tisch 2 die Elfenbeinkugel fünf Mal
hintereinander auf der Zahl 23. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit
liegt die Chance für eine derartige Wiederholung bei 1:69 Millionen.
Statistiker haben errechnet, dass eine solche fünfmalige Häufung nur alle
191,6 Jahre vorkommt.
Von unserem Redakteur: Klaus Koch