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Gefängnis statt Geldsegen
Medium:Saarbrücker Zeitung
Datum: 03.09.1999
Homburg/Saarbrücken (wi) "Ich war dabei, wie jemand am Automaten im Kasino 100 000 Mark gewonnen hat. Das geht ganz schnell." Sogar im Saarbrücker Landgericht war dem 30-Jährigen anzumerken, wie sehr ihn die Spielleidenschaft immer noch gepackt hält. Dabei hatte ihn die Sucht nach dem schnellen Gewinn auf die Anklagebank gebracht. Der Grund: Als der Jura-Student nicht genug Geld zum Spielen hatte, überfiel er zwischen Juni 1997 und November 1998 fünf Tankstellen in Saarbrücken, Homburg und Zweibrücken. Seine Beute von insgesamt rund 5000 Mark brachte ihm jedoch kein Glück. Weder in den Spielbanken, noch vor Gericht. Dort wurde der Student jetzt zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

"Ich hatte nicht den Eindruck, dass er ein echter Krimineller ist, der über Leichen geht." So hatte zuvor eines der Opfer, eine 48-jährige Kassiererin, den Angeklagten beschrieben. Eine Einschätzung, die auf den ersten Blick auch im Gerichtssaal bestätigt wurde. Schließlich sah der 30-jährige genau so aus, wie man sich einen Studenten aus guten Verhältnissen - seine Eltern hatten ein Geschäft und sein Bruder ist Jurist - vorstellt. Der Angeklagte benahm sich auch so. Zurückhaltend, höflich und korrekt. Doch der erste Eindruck täuschte, wie ein Psychiater erklärte: "Herr X führte ein Leben mit doppelter Buchführung." Nach außen sei er ein fleißiger Student gewesen, der pünktlich aus dem Haus geht. Der Gutachter weiter: "Tatsächlich war er aber nicht an der Uni, sondern ab 11.30 Uhr in der Spielbank."

Dieser Unterschied zwischen Schein und Sein hatte nach Ansicht des Gutachters zwei Ursachen: Zum einen könne man den Angeklagten als unreife Persönlichkeit mit mangelnder Kritikfähigkeit bezeichnen, die in den Tag hinein lebe. Zudem habe der Student etwa 1993 angefangen, regelmäßig in Kasinos zu spielen. Aus beiden Faktoren habe sich dann ein Teufelskreis entwickelt. So habe der 30-Jährige immer öfter gespielt und dabei bis zu 18 000 Mark in einer Woche verloren. Insgesamt kamen etwa 100 000 Mark Verluste in fünf Jahren zusammen. Trotzdem glaubte er nach einem Gewinn von 7000 Mark weiter an den großen Jackpot. Die Spirale drehte sich immer schneller. Der Gutachter: Am Ende habe der Angeklagte die Tankstellen überfallen, "um doch noch den großen Coup zu landen, und von da an seinem Leben eine andere Richtung zu geben".

Auch der Angeklagte erzählte, er sei zu den Tankstellen gefahren, nachdem er in Kasinos verloren hatte: "Ich war nervlich fertig und wollte weiterspielen. Ich wollte den Jackpot knacken. Ich hatte das Gefühl, dass ich kurz davor bin." Vor Ort bedrohte er jeweils die Kassierer mit einer Schreckschusspistole. Sie war bei den ersten beiden Fällen im Juni 1997 und im Januar 1998 nicht geladen. Im November 1998 überfiel der Angeklagte dann drei Tankstellen mit geladener Waffe und trug dabei zweimal eine Maske über dem Kopf. Und nachdem der 30-Jährige im vorletzten Fall von einem couragierten Kassierer vertrieben worden war, schlug er eine Stunde später erneut zu. Kurz darauf wurde er festgenommen. Die Spirale aus Spielsucht und Straftaten war unterbrochen. Ob sie sich nach der Haftentlassung des Mannes wieder dreht, hängt nun von ihm ab. Seine psychische Erkrankung - wegen der ihm verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt wurde - ist mit Hilfe von Psychotherapeuten heilbar.


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