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Der Staat verdient mit
Medium:Süddeutsche Zeitung
Datum: 24.08.1999
Wer mit Sportwetten Geld verdienen darf, regelt die Politik

Von Felix Berth

Glücksspiel um Geld ist in Deutschland erstens verboten; zweitens gibt es darauf ein staatliches Monopol ? ungefähr so läßt sich die Rechtslage in der Bundesrepublik beschreiben. Diese Konstruktion macht Veränderungen möglich, wenn die Politik sie für notwendig hält. Im Fall der Fußball-Wetten wollten die Politiker 1998 etwas ändern: Das staatliche Fußball-Toto erreichte nur noch einen Marktanteil von ungefähr zwei Prozent. Gleichzeitig wetteten viele Deutsche bereits bei Büros in den liberaleren Staaten Österreich und Großbritannien ? eine halbe Million Deutsche sollen es gewesen sein; etwa 500 Millionen Mark haben sie jährlich für Wetten ausgegeben, schätzen Fachleute.

Politiker und Chefs der staatlichen Lotterien reagierten mit der Gründung von Oddset, einem Wettsystem, bei dem die Gewinnquoten vor jedem Spiel fixiert werden. Seit Februar 1999 können die Wetten bei Oddset abgeschlossen werden; der geplante Jahresumsatz von 100 Millionen Mark ist schon fast erreicht: Bei 90 Millionen sei man inzwischen angekommen, heißt es in der bayerischen Lotterieverwaltung. Bisher ist Oddset nur in sieben Bundesländern vertreten; im nächsten Jahr soll das System auf die gesamte Republik ausgedehnt werden.

Private Wettbüros haben es schwer: Sie müssen sich, wenn sie im legalen Rahmen bleiben wollen, mit Pferdewetten begnügen ? hier gilt seit 1922 eine Ausnahmegenehmigung. Die 63 deutschen Buchmacher erreichen damit einen jährlichen Umsatz von 250 Millionen Mark.

Welchen Anteil die Wetten via Internet erreicht haben, läßt sich nicht seriös schätzen. Mehr als zehn deutschsprachige Anbieter finden sich im Netz, daneben zahlreiche aus England oder Australien. Allerdings warnen Experten vor mangelnder Rechtssicherheit, auch wenn die großen ausländischen Anbieter meist seriös seien.

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