Wer mit Sportwetten Geld verdienen darf, regelt die Politik Von Felix Berth
Glücksspiel um Geld ist in Deutschland erstens
verboten; zweitens gibt es darauf ein staatliches
Monopol ? ungefähr so läßt sich die Rechtslage in
der Bundesrepublik beschreiben. Diese
Konstruktion macht Veränderungen möglich, wenn
die Politik sie für notwendig hält. Im Fall der
Fußball-Wetten wollten die Politiker 1998 etwas
ändern: Das staatliche Fußball-Toto erreichte nur
noch einen Marktanteil von ungefähr zwei Prozent.
Gleichzeitig wetteten viele Deutsche bereits bei
Büros in den liberaleren Staaten Österreich und
Großbritannien ? eine halbe Million Deutsche sollen
es gewesen sein; etwa 500 Millionen Mark haben
sie jährlich für Wetten ausgegeben, schätzen
Fachleute.
Politiker und Chefs der staatlichen Lotterien
reagierten mit der Gründung von Oddset, einem
Wettsystem, bei dem die Gewinnquoten vor jedem
Spiel fixiert werden. Seit Februar 1999 können die
Wetten bei Oddset abgeschlossen werden; der
geplante Jahresumsatz von 100 Millionen Mark ist
schon fast erreicht: Bei 90 Millionen sei man
inzwischen angekommen, heißt es in der
bayerischen Lotterieverwaltung. Bisher ist Oddset
nur in sieben Bundesländern vertreten; im nächsten
Jahr soll das System auf die gesamte Republik
ausgedehnt werden.
Private Wettbüros haben es schwer: Sie müssen
sich, wenn sie im legalen Rahmen bleiben wollen,
mit Pferdewetten begnügen ? hier gilt seit 1922 eine
Ausnahmegenehmigung. Die 63 deutschen
Buchmacher erreichen damit einen jährlichen
Umsatz von 250 Millionen Mark.
Welchen Anteil die Wetten via Internet erreicht
haben, läßt sich nicht seriös schätzen. Mehr als zehn
deutschsprachige Anbieter finden sich im Netz,
daneben zahlreiche aus England oder Australien.
Allerdings warnen Experten vor mangelnder
Rechtssicherheit, auch wenn die großen
ausländischen Anbieter meist seriös seien.
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