Bad Oeynhausen. Wenn das Glücksspiel verschwunden sein wird, bleibt
die West-Spiel-Gesellschaft noch aufmerksame Bewacherin des Kurhauses.
Zumindest bis Ende Juni nächsten Jahres, wenn der Pachtvertrag
mit der anderen Landes-Tochter, dem Staatsbad, abläuft. Sollte
die Kurverwaltung vor diesem Termin neue Vorstellungen über die
künftige Nutzung des Ostflügels im Kurhaus umsetzen wollen, kann
der Vertrag auch früher auslaufen.
Auf jeden Fall aber werden vier Mitarbeiter des Spielcasinos zu
den normalen Betriebszeiten, auch in Nachtstunden, auf das Kurhaus
aufpassen. In der Pförtner-Loge, die an der Südseite des Kurhauses
in einem verglasten Anbau untergebracht ist, laufen sämtliche
Alarmanlagen zusammen, mit denen das Kurhaus in allen Bereichen
ausgestattet ist.
Die Geschäftsführung der Westdeutschen Spielbanken-Gesellschaft
(Münster) verweist auf die vertragliche Seite des Mietverhältnisses.
Lutz Wieding: "Wir sind als Mieter verpflichtet, unsere Räume
nicht leer stehen zu lassen." Direktor Karl-Josef Müller, als
Chef des Spielcasinos auch verantwortlich für den reibungslosen
Umzug in das Entertainment-Center an der Mindener Straße: "Es
ist alles bis in die letzten Details vorbereitet. Und dazu gehört
auch, daß wir die Besetzung der Pförtner-Loge gewährleisten, auch
wenn der Spielbetrieb nicht mehr im Kurhaus läuft."
Die Tage im Kurhaus sind gezählt. Am Sonntag, 15. August, rollen
die Kugeln aus, werden die letzten Gewinne ausgezahlt und Einsätze
eingestrichen, dann rotieren im Automaten-Saal zum letzten Mal
die Zahlen-Walzen. Am folgenden Montag und Dienstag läuft der
Umzug. Karl-Josef Müller: "Was nicht mitkommen soll, wird zunächst
einmal eingelagert." Übersehen worden ist nichts. Vor allem nicht
die Kunst, die nicht unbedingt im Spielbank-Bereich hängt, sondern
auch auf dem Wandelgang zum Westflügel. Zwei großflächige Kunstwerke
von Uecker und vier Seerosen-Motive sollen im neuen Domizil aufgehängt
werden.
Während vor einem Jahr noch wenige so recht an den Umzug glauben
wollten, haben sich die meisten inzwischen daran gewöhnt, daß
das "Rien ne va plus" demnächst an der Mindener Straße und nicht
im Kurpark ertönt. Doch statt nichts, soll dort alles gehen. Lutz
Wieding: "Mit dem Umzug ins entertainment-Center im Werre-Park
wird der Standort noch attraktiver für jüngere Zielgruppen, die
die ungezwungene Atmosphäre eines Kino-Besuches mit einem Abendessen
im amerikanischen Stil verbinden und den Abend mit einer Visite
im Glücksspiel ausklingen lassen wollen."
Täglich 400
Besucher mehr
Den Optimismus teilt Direktor Müller, der statt bisher 126 künftig
150 Mitarbeiter im Casino haben wird: "Wir rechnen mit täglich
400 Besuchern mehr, jeweils 200 an den traditionellen Werktagen
(bisher 550) und an den beiden Wochenend-Tagen (bisher 1 000).
Wir werden nächstes Jahr schwarze Zahlen bilanzieren."
Der Umzug hat viele Millionen Mark gekostet, allein 1,6 davon
für den Einbau einer hochmodernen Video-Überwachungsanlage. Vollelektronisch
läuft auch die Klima-Anlage. Müller: "Unsere Gäste werden angenehm
überrascht sein."
Wie es im Kurhaus weitergeht, bleibt abzuwarten. Vielleicht werden
die Gäste auch hier angenehm überrascht.
Ihre Meinung zum Artikel