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"Spiel" verloren Leidenschaft und Schulden trieben Frau zum Banküberfall
Medium:Salzburger Nachrichten
Datum: 12.08.1999
SALZBURG-STADT (SN-u.k.). "Ein Überfall? Auf die Bank? Na, geh, machen S' kan Blödsinn." Die ältere Dame, die Dienstag kurz nach 17.00 Uhr vor der Spängler-Bank in der Churfürststraße steht, kann es nicht fassen. "Ich muss aber hier putzen", sagt sie beharrlich. "Danke, Sie können heute heimgehen", antwortet ihr der Chef, der mit den Beamten der Spurensicherung im Kassaraum steht, durch die halbgeöffnete Tür. Geschlossen bleibt die Zweigstelle bis auf weiteres für die Kunden. "Wir diskutieren, was mit der Filiale geschehen soll. Wir könnten einen Wechselautomaten hinstellen. Aber noch ist nichts entschieden", sagt Werner Didl, der für Revision und Sicherheit zuständig ist. "Bedanken möchten wir uns, dass die Tat so schnell geklärt wurde. Ebenso der zweite Überfall."

Schulden in Millionenhöhe, die sie im Pokercasino im Airportcenter machte, sollen jene 48-jährige Frühpensionistin zum Bankraub getrieben haben. Der fatalen Leidenschaft fiel die Eigentumswohnung zum Opfer, die Frau nahm mehrere Kredite auf. Die Rückzahlungen brachten sie in arge finanzielle Schwierigkeiten. Sie meldete sich wegen ihrer Spielsucht zu einer Behandlung. Doch diese hielt sie nichtdurch.

"Silvia C., die mutmaßliche Täterin, hatte sich bereits am Vortag eine andere Bank ausgesucht. In einem Geschäft am Bahnhof besorgte sie sich die Spielzeugpistole. Dann hat sie der Mut verlassen", sagt Mittwoch Karl-Heinz-Pracher von der Kripo. "Sie wusste, dass die Spängler-Bank wiederholt überfallen worden war. Sie wusste auch, dass sich der Mann nachher umgezogen hatte. Was sie nicht wusste, war, dass der mutmaßliche Täter des zweiten Überfalls bereits in Haft war. Dann hätte sie es sich vielleicht überlegt."

Silvia C. soll kurz vor dem Zusperren, also um 17.29 Uhr, in einer roten Regenpelerine die Bankfiliale betreten haben. Einen Zettel mit den Worten "GELD ODER ICH SCHIESSE" hatte sie vorbereitet. Doch den verwendete sie nicht. Kapuze tief ins Gesicht gezogen und Sonnenbrille vor den Augen, forderte sie die Kassierin auf, ihr Geld zu geben. Die Frau händigte ihr 125.880 Schilling aus. Die Verdächtige stopfte die Banknoten in eine schwarze Umhängetasche und ging in die Sigmund-Haffner-Gasse. Auf dem Herrenklo der Universität zog sie sich um und verschwand Richtung Salzachkai. Ihr knapp auf den Fersen: ein Passant, den die Kassierin gebeten hatte, die Frau nicht aus den Augen zu verlieren, weil sie etwas mit dem Überfall "zu tun" habe. Am Franz-Josef-Kai meldete sich der 50-jährige Salzburger schließlich bei einem Polizisten. Silvia C. ebenfalls. Sie gab an, sie werde von jenem Mann verfolgt und belästigt. Beide wurden in den Streifenwagen verfrachtet. "50 Meter vor der Bank knickte dieFrau ein und sagte, siesei es gewesen", sagt Karl-Heinz Pracher.


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