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Die Australier sind spielsüchtig Hunderttausende Australierinnen und Australier sind laut der Regierung dem Glücksspiel verfallen.
Medium:Tages-Anzeiger, Zürich
Datum: 20.07.1999
Von Urs Wälterlin, Sydney

Die am Montag veröffentlichte Studie erschreckte sogar Vertreter von Sozialverbänden, die schon seit Jahren mit den Folgen der Spielsucht zu kämpfen haben: Die 18 Millionen Australierinnen und Australier verloren im vergangenen Jahr rund 11 Milliarden Franken an Spielautomaten, im Kasino oder auf der Pferderennbahn. 82 Prozent der Bevölkerung hätten 1998 auf diese Weise ihr Glück versucht und dabei pro Person etwa 625 Franken verloren.

Laut der Untersuchung tragen aber 330 000 Schwersüchtige fast die Hälfte aller Verluste. Die Regierung hatte die Studie im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben, nachdem in der Bevölkerung die Sorge um die sozialen Auswirkungen des Glücksspiels zugenommen hatte. In Australien sind 20 Prozent aller weltweit betriebenen Pokermaschinen in Betrieb. Die 180 000 "einarmigen Banditen" seien für den Grossteil der Verluste unter Spielern verantwortlich, so die Studie.

Wirtschaftsfaktor Glücksspiel

Die Autoren wiesen darauf hin, dass "Spielsucht schwere Auswirkungen auf die Betroffenen und deren Familien hat". Pro Süchtigen würden mindestens fünf weitere Personen im Familien- und Bekanntenkreis darunter leiden. "Das Problem benötigt mehr Aufmerksamkeit durch die Politiker", so der Kommissionsvorsitzende Gary Banks. Ob er mit seiner Forderung nach mehr Kontrolle Erfolg haben wird, ist fraglich.

Denn das Glücksspiel ist eines der fünf wichtigsten Standbeine der australischen Volkswirtschaft. Für verschiedene Bundesstaaten ist die Steuer auf "einarmige Banditen" und Roulette zur unentbehrlichen Einkommensquelle geworden. Vor zehn Jahren stammten noch sechs Prozent der Mittel in den Staatskassen aus dem Glücksspiel, heute sind es bereits 12 Prozent.

Die Studie kommt denn auch zum Schluss, dass diese Form von "Freizeitvergnügen auch positive Aspekte" habe. Sozialverbände sind anderer Meinung: Sie weisen auf Hunderte von Beispielen hin, wo die Spielsucht eines Elternteils nicht nur zu finanziellem Ruin, sondern zum totalen Zusammenbruch der Familie geführt hat.


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