Von Urs Wälterlin, Sydney
Die am Montag veröffentlichte Studie erschreckte sogar Vertreter
von Sozialverbänden, die schon seit Jahren mit den Folgen der
Spielsucht zu kämpfen haben: Die 18 Millionen Australierinnen
und Australier verloren im vergangenen Jahr rund 11 Milliarden
Franken an Spielautomaten, im Kasino oder auf der Pferderennbahn.
82 Prozent der Bevölkerung hätten 1998 auf diese Weise ihr Glück
versucht und dabei pro Person etwa 625 Franken verloren.
Laut der Untersuchung tragen aber 330 000 Schwersüchtige fast
die Hälfte aller Verluste. Die Regierung hatte die Studie im vergangenen
Jahr in Auftrag gegeben, nachdem in der Bevölkerung die Sorge
um die sozialen Auswirkungen des Glücksspiels zugenommen hatte.
In Australien sind 20 Prozent aller weltweit betriebenen Pokermaschinen
in Betrieb. Die 180 000 "einarmigen Banditen" seien für den Grossteil
der Verluste unter Spielern verantwortlich, so die Studie.
Wirtschaftsfaktor Glücksspiel
Die Autoren wiesen darauf hin, dass "Spielsucht schwere Auswirkungen
auf die Betroffenen und deren Familien hat". Pro Süchtigen würden
mindestens fünf weitere Personen im Familien- und Bekanntenkreis
darunter leiden. "Das Problem benötigt mehr Aufmerksamkeit durch
die Politiker", so der Kommissionsvorsitzende Gary Banks. Ob er
mit seiner Forderung nach mehr Kontrolle Erfolg haben wird, ist
fraglich.
Denn das Glücksspiel ist eines der fünf wichtigsten Standbeine
der australischen Volkswirtschaft. Für verschiedene Bundesstaaten
ist die Steuer auf "einarmige Banditen" und Roulette zur unentbehrlichen
Einkommensquelle geworden. Vor zehn Jahren stammten noch sechs
Prozent der Mittel in den Staatskassen aus dem Glücksspiel, heute
sind es bereits 12 Prozent.
Die Studie kommt denn auch zum Schluss, dass diese Form von "Freizeitvergnügen
auch positive Aspekte" habe. Sozialverbände sind anderer Meinung:
Sie weisen auf Hunderte von Beispielen hin, wo die Spielsucht
eines Elternteils nicht nur zu finanziellem Ruin, sondern zum
totalen Zusammenbruch der Familie geführt hat.