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Virtuelles Zocker-Paradies in der Wüste
Medium:dpa
Datum: 30.07.1999
Australien: Erstes staatlich kontrolliertes Internet-Casino

Sydney (dpa). Auf feine Abendgarderobe und haufenweise Bargeld können die Besucher des "Lasseters Casino" getrost verzichten. Auch Gesichtskontrollen und abschätzende Blicke muß kein Zocker über sich ergehen lassen. Für eine Runde Roulette oder Black Jack in dem Casino im "roten Herzen Australiens" in Alice Springs brauchen die Besucher nur Spaß am Spiel, eine Kreditkarte - und das Internet.

Als erstes staatlich kontrolliertes Internet-Casino der Welt lädt die Spielbank in der Wüste Australiens seit enigen Wochen Zocker aus aller Welt zum Spielen ein. Beim virtuellen Spiel winkt echtes Geld: Anders als bei bisherigen Casino-Angeboten im Internet sind die Gewinne staatlich garantiert. Innerhalb der ersten drei Tage haben sich bereits Tausende Zocker bei der Spielbank registrieren lassen - auch Deutsche versuchen dort ihr Glück. Um mitzuspielen, müssen Spieler ihre Kreditkartennummer und Adresse angeben. Das Mindestalter ist 18 Jahre, eine Kopie des Reisepasses muß nach Australien gefaxt werden.

Damit sich keiner vom heimischen Wohnzimmer ausum Kopf und Kragen spielen kann, hat das Casino einige Beschränkungen eingebaut. Maximal können die Spieler umgerechnet rund 570 Mark pro Monat auf ihrSpielkonto einbezahlen. Mehr dürfen die Zocker nur nach besonderer Vereinbarung mit der Spielbankriskieren. Aber auch Selbstkontrolle ist möglich: Aufder Internet-Seite der Spielbank (www.lasseters.com) können sich die Spieler selbst eine "Auszeit" vonsieben Tagen verordnen - für diese Zeit wird ihnen der Zugang zu der Homepage automatisch verweigert. Wer die "Time Out"- Funktion zum drittenmal anklickt, wird lebenslang ausgeschlossen. Für Spielsüchtige gibt es außerdem einen Hinweis auf die Internet-Adresseder Beratungsstelle für Spielsüchtige.

Vorerst dürfen aber ausgerechnet die Australier nicht im Internet- Kasino spielen. Da die gesetzlichenVoraussetzungen für Internet-spielwillige Australier erst noch geschaffen werden müssen, bleibt ihnen vorerst nur das "wilde" Internet-Spielen, das meist über nicht staatlich kontrollierte Kasinos auf Webseiten in der Karibik stattfindet.

Die Fülle solcher Angebote ist kaum überschaubar."Millionengewinne in sicherer Umgebung" lauten oft die Versprechungen - das Geld bekommen die Spieler oft aber nicht zu sehen. David Ohlson, Entwickler des Internet-Angebotes des "Lasseters", schätzt denUmsatz der "wilden" Casinos auf monatlich rund 11,5 Millionen Mark.

Der Glücksspielpalast in der Wüste in Alice Springshofft bereits in den ersten sechs Monaten auf 125.000 registrierte Spieler. Bisher war das Casino einer der kleinsten Akteure in dem ungeheuer großen Glücksspielmarkt Australiens. Die knapp 19 Millionen Einwohner geben laut staatlicher Statistik pro Jahr mit umgerechnet fast 5.000 Mark pro Jahr und Kopf mehrGeld für Glücksspiele aus, als für Lebensmittel.


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