Australien: Erstes staatlich kontrolliertes Internet-Casino
Sydney (dpa). Auf feine Abendgarderobe und haufenweise Bargeld
können die Besucher des "Lasseters Casino" getrost verzichten.
Auch Gesichtskontrollen und abschätzende Blicke muß kein Zocker
über sich ergehen lassen. Für eine Runde Roulette oder Black Jack
in dem Casino im "roten Herzen Australiens" in Alice Springs brauchen
die Besucher nur Spaß am Spiel, eine Kreditkarte - und das Internet.
Als erstes staatlich kontrolliertes Internet-Casino der Welt lädt
die Spielbank in der Wüste Australiens seit enigen Wochen Zocker
aus aller Welt zum Spielen ein. Beim virtuellen Spiel winkt echtes
Geld: Anders als bei bisherigen Casino-Angeboten im Internet sind
die Gewinne staatlich garantiert. Innerhalb der ersten drei Tage
haben sich bereits Tausende Zocker bei der Spielbank registrieren
lassen - auch Deutsche versuchen dort ihr Glück. Um mitzuspielen,
müssen Spieler ihre Kreditkartennummer und Adresse angeben. Das
Mindestalter ist 18 Jahre, eine Kopie des Reisepasses muß nach
Australien gefaxt werden.
Damit sich keiner vom heimischen Wohnzimmer ausum Kopf und Kragen
spielen kann, hat das Casino einige Beschränkungen eingebaut.
Maximal können die Spieler umgerechnet rund 570 Mark pro Monat
auf ihrSpielkonto einbezahlen. Mehr dürfen die Zocker nur nach
besonderer Vereinbarung mit der Spielbankriskieren. Aber auch
Selbstkontrolle ist möglich: Aufder Internet-Seite der Spielbank
(www.lasseters.com) können sich die Spieler selbst eine "Auszeit"
vonsieben Tagen verordnen - für diese Zeit wird ihnen der Zugang
zu der Homepage automatisch verweigert. Wer die "Time Out"- Funktion
zum drittenmal anklickt, wird lebenslang ausgeschlossen. Für Spielsüchtige
gibt es außerdem einen Hinweis auf die Internet-Adresseder Beratungsstelle
für Spielsüchtige.
Vorerst dürfen aber ausgerechnet die Australier nicht im Internet-
Kasino spielen. Da die gesetzlichenVoraussetzungen für Internet-spielwillige
Australier erst noch geschaffen werden müssen, bleibt ihnen vorerst
nur das "wilde" Internet-Spielen, das meist über nicht staatlich
kontrollierte Kasinos auf Webseiten in der Karibik stattfindet.
Die Fülle solcher Angebote ist kaum überschaubar."Millionengewinne
in sicherer Umgebung" lauten oft die Versprechungen - das Geld
bekommen die Spieler oft aber nicht zu sehen. David Ohlson, Entwickler
des Internet-Angebotes des "Lasseters", schätzt denUmsatz der
"wilden" Casinos auf monatlich rund 11,5 Millionen Mark.
Der Glücksspielpalast in der Wüste in Alice Springshofft bereits
in den ersten sechs Monaten auf 125.000 registrierte Spieler.
Bisher war das Casino einer der kleinsten Akteure in dem ungeheuer
großen Glücksspielmarkt Australiens. Die knapp 19 Millionen Einwohner
geben laut staatlicher Statistik pro Jahr mit umgerechnet fast
5.000 Mark pro Jahr und Kopf mehrGeld für Glücksspiele aus, als
für Lebensmittel.