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Die Einführung des Euro gibt noch viele Rätsel
Medium:Die Welt
Datum: 28.07.1999
Von Katja Fischer

Das Glücksspiel ist immer umweht von einem Hauch Dekadenz und Gefahr. Man kennt das aus Film und Fernsehen. Von diesen Klischees ist Paul Gauselmann meilenweit entfernt. >=Ich vertrete die ordentliche Branche", sagt der 65jährige Vater der Glücksspielgeräte in Deutschland. Für ihn ist der Spielemarkt ein Wirtschaftsbereich wie jeder andere auch.

Die Gauselmann-Gruppe ist als Hersteller von Münzspielgeräten mit und ohne Gewinnchancen die Nummer Eins in Europa. Bekannt wurde sie durch über 175 Merkur-Spielotheken in Deutschland und Europa, deren Markenzeichen - die Sonne - sich zum Symbol für die gesamte Gruppe entwickelte. Sie beherrscht 50 Prozent des deutschen Marktes.

Vor über 40 Jahren hatte der gelernte Fernmelderevisor mit Faible für Technik und Spiel die Idee, beides zusammenzubringen. >=Im Krieg haben wir nächtelang alle Brett-, Würfel- und Kartenspiele gespielt. Die beherrsche ich heute noch", bekennt der Vorstandsvorsitzende des Familienbetriebes, der heute weltweit rund 5700 Mitarbeiter beschäftigt. Sein Unternehmen ist Hersteller, Betreiber und Anbieter von Münzspielgeräten, vom klassischen Flipper bis zu Videospielen am Bildschirm.

Ende Mai dieses Jahres zog die Firma von Bonn nach Berlin. >=Als Spielemacher muß man der Politik nahe sein", weiß Gauselmann aus Erfahrung. Die Branche sei stark von Gesetzen abhängig, und die würden vor allem im Bundeswirtschaftsministerium gemacht. Deshalb hatte er schon 1987 den Firmensitz von Köln nach Bonn verlegt und folgt jetzt der Regierung an ihren neuen Sitz in die Hauptstadt. Gauselmann hat sich seit 1981 auch als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie engagiert.

Vor dem Hintergrund sinkender Umsatzzahlen in seiner Branche - sie verkauft jetzt nur noch halb soviele Geräte wie zu ihren besten Zeiten Mitte der 80er Jahre - möchte er eine Lockerung der Sicherheitsregelungen erreichen. >=Vor allem die Beschränkung des Spieleinsatzes auf maximal 40 Pfennig und die Mindestspieldauer von 15 Sekunden führen dazu, daß die Spiele langweilig werden",erklärt Gauselmann. Ein Blick zum Beispiel in die Niederlande zeige, daß weniger strenge Regelungen Innovationen auf dem Glücksspielemarkt begünstigten. >=Auch wir würden das Geschäft gern rasanter gestalten."

Die Gauselmann-Gruppe betreibt in Berlin sieben Spielotheken und eine Verkaufsstätte für Münzspielautomaten. Aber ihren Markt der Zukunft sieht sie nicht unbedingt an der Spree. >=Vor allem im Osten haben die Leute zu wenig Geld für das Spiel übrig", beobachtet derVorstandsvorsitzende. Anders sei das in Amerika, wo es seit jeher einen großen Stellenwert besitze. >=Mein Sohn hat es geschafft, alseinziges deutsches Unternehmen eine Lizenz für Las Vegas zubekommen", berichtet er stolz. Das sei umso höher zu bewerten,weil nicht nur Qualität und Wirtschaftlichkeit zählten, sondern auchdie hohen Sicherheitsstandards der Amerikaner erfüllt werden mußten.

>=Eine Steuerfahndung ist ein Klacks dagegen", beschreibt Gauselmann die Prozedur, bei der akribisch 280 Aktenordner, private Tresore, Bankschließfächer geprüft wurden und auch die Verwandtschaft Rede und Antwort stehen mußte. >=Die Angst vor Mafia-Geldern sitzt bei ihnen tief", meint der 65jährige Branchenkenner. Aber jetzt sei es geschafft. Gauselmann habe in Phoenix ein Tochterunternehmen mit 100 Mitarbeitern gegründet und in 100 Kasinos Geräte aus eigener Herstellung installiert.

In Deutschland tut sich vor allem der Bereich Geldspielgeräte schwer. Hier sind die Umsätze seit Jahren rückläufig. Ein Grund: Die Gastronomie, traditionsgemäß einer der größten Abnehmer von Spielautomaten, steckt in der Krise. Vom Gaststättensterben ist besonders die Kneipe an der Ecke betroffen. Aber auch die Kommunalpoltik wirkt sich aus: >=Oft ist die Vergnügungssteuer so hoch, daß die Automaten für den Gastwirt unrentabel werden", weiß Gauselmann.

Er sieht in Spielen ohne Geldgewinn Möglichkeiten, den Umsatzverlust bei Gewinnspielen etwas auszugleichen. Neue Ideen wie zum Beispiel Touch-Screen-Geräte würden vor allem bei Frauen Anklang finden. Diese Geräte, die nicht nur in Spielotheken und Gaststätten eingesetzt werden können, bieten etliche Varianten.

Große Hoffnung setzt Gauselmann auch auf eine Blackjack-Innovation, bei der drei Teilnehmer am Bildschirm miteinander spielen können. >=Ein Gerät kostet 25 000 DM, und wir haben schon 2000 davon verkauft", freut sich der Unternehmer. In der Entwicklungsabteilung im westfälischen Lübbecke bastelten über hundert Mitarbeiter an neuen Kreationen. Die Ideenschmiede brachte mittlerweile über 200 Patente hervor.

Doch eine der größten Herausforderungen steht den kreativen Köpfen der Unternehmensgruppe noch bevor: die Umstellung auf den Euro. >=Ich weiß noch nicht, wie wir das packen", gibt Gauselmann zu. Das Problem bestehe darin, daß er die Automaten umrüsten muß, ohne die Münzen genau zu kennen. >=Unsere Geräte funktionieren nur mit justierten Münzprüfern. Die müssen im Vorfeld eingestellt werden. Dieses Verfahren wird zusätzlich erschwert, weil die Euro-Münzen nicht alle gleich sind. Sie werdenan 17 verschiedenen Stellen in Europa geprägt und weisen geringfügige Unterschiede auf," so Gauselmann.


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