Von Katja Fischer
Das Glücksspiel ist immer umweht von einem Hauch Dekadenz und
Gefahr. Man kennt das aus Film und Fernsehen. Von diesen Klischees
ist Paul Gauselmann meilenweit entfernt. >=Ich vertrete die ordentliche
Branche", sagt der 65jährige Vater der Glücksspielgeräte in Deutschland.
Für ihn ist der Spielemarkt ein Wirtschaftsbereich wie jeder andere
auch.
Die Gauselmann-Gruppe ist als Hersteller von Münzspielgeräten
mit und ohne Gewinnchancen die Nummer Eins in Europa. Bekannt
wurde sie durch über 175 Merkur-Spielotheken in Deutschland und
Europa, deren Markenzeichen - die Sonne - sich zum Symbol für
die gesamte Gruppe entwickelte. Sie beherrscht 50 Prozent des
deutschen Marktes.
Vor über 40 Jahren hatte der gelernte Fernmelderevisor mit Faible
für Technik und Spiel die Idee, beides zusammenzubringen. >=Im
Krieg haben wir nächtelang alle Brett-, Würfel- und Kartenspiele
gespielt. Die beherrsche ich heute noch", bekennt der Vorstandsvorsitzende
des Familienbetriebes, der heute weltweit rund 5700 Mitarbeiter
beschäftigt. Sein Unternehmen ist Hersteller, Betreiber und Anbieter
von Münzspielgeräten, vom klassischen Flipper bis zu Videospielen
am Bildschirm.
Ende Mai dieses Jahres zog die Firma von Bonn nach Berlin. >=Als
Spielemacher muß man der Politik nahe sein", weiß Gauselmann aus
Erfahrung. Die Branche sei stark von Gesetzen abhängig, und die
würden vor allem im Bundeswirtschaftsministerium gemacht. Deshalb
hatte er schon 1987 den Firmensitz von Köln nach Bonn verlegt
und folgt jetzt der Regierung an ihren neuen Sitz in die Hauptstadt.
Gauselmann hat sich seit 1981 auch als Vorsitzender des Verbandes
der Deutschen Automatenindustrie engagiert.
Vor dem Hintergrund sinkender Umsatzzahlen in seiner Branche -
sie verkauft jetzt nur noch halb soviele Geräte wie zu ihren besten
Zeiten Mitte der 80er Jahre - möchte er eine Lockerung der Sicherheitsregelungen
erreichen. >=Vor allem die Beschränkung des Spieleinsatzes auf
maximal 40 Pfennig und die Mindestspieldauer von 15 Sekunden führen
dazu, daß die Spiele langweilig werden",erklärt Gauselmann. Ein
Blick zum Beispiel in die Niederlande zeige, daß weniger strenge
Regelungen Innovationen auf dem Glücksspielemarkt begünstigten.
>=Auch wir würden das Geschäft gern rasanter gestalten."
Die Gauselmann-Gruppe betreibt in Berlin sieben Spielotheken und
eine Verkaufsstätte für Münzspielautomaten. Aber ihren Markt der
Zukunft sieht sie nicht unbedingt an der Spree. >=Vor allem im
Osten haben die Leute zu wenig Geld für das Spiel übrig", beobachtet
derVorstandsvorsitzende. Anders sei das in Amerika, wo es seit
jeher einen großen Stellenwert besitze. >=Mein Sohn hat es geschafft,
alseinziges deutsches Unternehmen eine Lizenz für Las Vegas zubekommen",
berichtet er stolz. Das sei umso höher zu bewerten,weil nicht
nur Qualität und Wirtschaftlichkeit zählten, sondern auchdie hohen
Sicherheitsstandards der Amerikaner erfüllt werden mußten.
>=Eine Steuerfahndung ist ein Klacks dagegen", beschreibt Gauselmann
die Prozedur, bei der akribisch 280 Aktenordner, private Tresore,
Bankschließfächer geprüft wurden und auch die Verwandtschaft Rede
und Antwort stehen mußte. >=Die Angst vor Mafia-Geldern sitzt
bei ihnen tief", meint der 65jährige Branchenkenner. Aber jetzt
sei es geschafft. Gauselmann habe in Phoenix ein Tochterunternehmen
mit 100 Mitarbeitern gegründet und in 100 Kasinos Geräte aus eigener
Herstellung installiert.
In Deutschland tut sich vor allem der Bereich Geldspielgeräte
schwer. Hier sind die Umsätze seit Jahren rückläufig. Ein Grund:
Die Gastronomie, traditionsgemäß einer der größten Abnehmer von
Spielautomaten, steckt in der Krise. Vom Gaststättensterben ist
besonders die Kneipe an der Ecke betroffen. Aber auch die Kommunalpoltik
wirkt sich aus: >=Oft ist die Vergnügungssteuer so hoch, daß die
Automaten für den Gastwirt unrentabel werden", weiß Gauselmann.
Er sieht in Spielen ohne Geldgewinn Möglichkeiten, den Umsatzverlust
bei Gewinnspielen etwas auszugleichen. Neue Ideen wie zum Beispiel
Touch-Screen-Geräte würden vor allem bei Frauen Anklang finden.
Diese Geräte, die nicht nur in Spielotheken und Gaststätten eingesetzt
werden können, bieten etliche Varianten.
Große Hoffnung setzt Gauselmann auch auf eine Blackjack-Innovation,
bei der drei Teilnehmer am Bildschirm miteinander spielen können.
>=Ein Gerät kostet 25 000 DM, und wir haben schon 2000 davon verkauft",
freut sich der Unternehmer. In der Entwicklungsabteilung im westfälischen
Lübbecke bastelten über hundert Mitarbeiter an neuen Kreationen.
Die Ideenschmiede brachte mittlerweile über 200 Patente hervor.
Doch eine der größten Herausforderungen steht den kreativen Köpfen
der Unternehmensgruppe noch bevor: die Umstellung auf den Euro.
>=Ich weiß noch nicht, wie wir das packen", gibt Gauselmann zu.
Das Problem bestehe darin, daß er die Automaten umrüsten muß,
ohne die Münzen genau zu kennen. >=Unsere Geräte funktionieren
nur mit justierten Münzprüfern. Die müssen im Vorfeld eingestellt
werden. Dieses Verfahren wird zusätzlich erschwert, weil die Euro-Münzen
nicht alle gleich sind. Sie werdenan 17 verschiedenen Stellen
in Europa geprägt und weisen geringfügige Unterschiede auf," so
Gauselmann.