Wiesbadener Croupiers beklagen Druck und Mobbing /Konzession für
Frankfurt?
Von Margit Fehlinger
Dicke Luft in der Wiesbadener Spielbank: Nach wie vor liegen Croupiers
untereinander und mit der Geschäftsleitung im Clinch. Daß der
jahrelange Konflikt nicht unter der Decke zu halten ist,kommt
den Konzessionären höchst ungelegen: Sie bemühen sich nämlich
gerade um die Linzenz einer Spielbank im Frankfurter Flughafen.
WIESBADEN. Der schöne Schein trügt: Im gediegenen Weinsaal desKurhauses,
in dem die Wiesbadener Spielbank residiert, zwischen holzvertäfelten
Wänden und unter goldenen Friesen und einem prächtig funkelnden
Kronleuchter, inmitten dieser ebenso prunkvoll wie distinguierten
Atmosphäre, rumort es auch gut drei Jahre nach dem Streik noch
kräftig in der Belegschaft. "Unterschwellig wird nach wie vor
Druck gemacht", berichten Croupiers, die nicht genannt werden
möchten, weil sie Sanktionen der Geschäftsleitung befürchten.
Die aufmüpfigen Mitarbeiter, deren Namen der Redaktion bekannt
sind, sprechen von "massiver Arbeitszeitverdichtung, die mit einem
immer stärkeren Überwachungssystem kombiniert" werde, und von
"erheblichen Differenzen über die Art der Personalführung". "Da
werden Kollegen imBeisein von Gästen abgekanzelt", schildert einer
das ungemütliche Betriebsklima im Casino. Eigenverantwortung der
Arbeitnehmer sei nicht gefragt, und wer sich nicht mit Loyalitätsbekundungen
beim Geschäftsführer oder dem technischen Leiter anbiedere, könne
seine berufliche Karriere in den Wind schreiben und habe am Arbeitsplatz
Ärger ohne Ende zu gewärtigen.
Verdiente ältere Croupiers, die unter die Aufsicht studentischer
Aushilfskräfte gestellt würden, fühlten sich erniedrigt und gedemütigt.
Ein Riß gehe durch die Belegschaft: Auf der einen Seite die der
Geschäftsleitung ergebenen Mitarbeiter, auf der anderen Kritiker,
die sichnicht mundtot machen ließen. So sehr werde gemobbt und
schikaniert, daß drei Kollegen dem seelischen Druck nicht standgehalten
und psychotherapeutischer Hilfe bedurft hätten.
Der Psychologe scheiterte
Der Betriebsrat bestätigt die unerquickliche Stimmung zwischen
Poker-und Roulette-Tischen, vermeidet aber zugleich diplomatisch
alle Äußerungen, die den Konflikt verschärfen könnten: "Wir bemühen
uns um Deeskalation", sagt Betriebsratsvorsitzender Joachim Markfort
auf FR-Anfrage, und fügt hinzu: "Man kann schließlich nicht ewig
mit gezückter Pistole herumlaufen." Die Arbeitnehmervertretung
sei daran interessiert, die negativen Folgen der jahrelangen Auseinandersetzung
endlich zu beenden und zu einem guten Betriebsklima zurück zu
kommen. "Wir möchten die Geschäftsleitung dazu bewegen, ihre Bemühungen
in dieser Richtung zu verstärken", sagt Markfort. Die Vermittlungsversuche
des Psychologen, der nach dem Streik 1996 versuchen sollte, die
zerstrittenen Parteien wieder zusammenzuführen, halten die rebellischen
Croupiers fürgescheitert. Dessen Empfehlung, die Situation mit
Einführung eines Qualitätsmanagements zu beruhigen, scheuen sie
als "weiteres Instrument der Arbeitsreglementierung".
Geschäftsführer Klaus Gülker hat eine andere Wahrnehmung der Stimmungslage
unter seinen Mitarbeitern: Er beruft sich auf die steigenden Besucherzahlen,
die belegten, daß die Gäste zufrieden seien. Würden sie "großflächige"
Verdrossenheit unter den Croupiers verspüren, hätten sienach Ansicht
Gülkers die Wiesbadener Spielbank schon längst gemieden. Er bestreite
nicht, daß es unter seinen Mitarbeitern noch "einen Kreis gibtder
der Vergangenheit nachhängt und sich nicht umstellen kann oder
will." Der Casino-Betrieb, der "Tag für Tag 4,4 Millionen Mark
hin und herbewegt", sehe sich aber zu "einem Prozeß der ständigen
Verbesserung" genötigt. Bei 200 Mitarbeitern an den Spieltischen
könne man es da gar nicht allen recht machen.
Der Versuch Klaus Gülkers, den Konflikt unter der Decke zu halten,
ist verständlich. Die Konzessionäre der Wiesbadener Spielbank,
Achterfeld und Jahr, die auch das Hamburger Casino betreiben,
möchten nun auch in Frankfurt Fuß fassen. Sie haben die Konzession
der geplanten Spielbank im Flughafen beantragt und scheuen angesichts
der bevorstehenden Entscheidung negative Schlagzeilen.