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Day-Trading-Firmen unter Beschuss
Medium:Die Welt Online
Datum: 11.08.1999
Wertpapierverwalter kritisieren Aktien-Glücksspiel - Mehrheit der Anleger verliert ihr Geld

Von Martin Halusa

New York - Sie nützen die kleinsten Kursschwankungen an der Börse aus, sie kaufen und verkaufen Wertpapiere binnen weniger Stunden; sie müssen schnell handeln, einen großen Geldbeutel besitzen und über Nerven aus Stahl verfügen. Doch eine Studie aus den USA beweist: Day-Trading lohnt sich nicht. In den meisten Fällen verlieren die Zocker nicht nur einen Teil ihres angelegten Geldes, sondern bisweilen sogar ihr gesamtes Vermögen.

>=Day Trading ist eine Form des Spekulierens, nicht des Investierens", heißt es in dem Bericht der Vereinigung Nordamerikanischer Wertpapierverwalter (NASAA). Darin kritisiert die NASAA, dass die meisten Day-Trading-Firmen ihre Kunden nicht auf die erheblichen Risiken beim tagesaktuellen Investieren hinweisen. >=Die Kunden werden mit falschen Versprechungen in die Irre geführt." Oftmals gaukelten die Unternehmen vor, dass mit dem Day Trading Gewinne von 60 bis 70 Prozent am Tag möglich seien. >=Die meisten Anleger verlieren ihr Geld", betont David Shellenberger, der Autor dieser ersten Studie ihrer Art.

Erst kürzlich war in den USA auf die Szene der Day Trader ein äußerst ungünstiges Licht gefallen, als der Anleger Mark Barton in Atlanta ein Blutbad anrichtete. Bei dem Massaker waren neun Mitarbeiter der Day-Trading-Firma All Tech ums Leben gekommen, bevor sich der Attentäter selbst erschoss. Zuvor hatte Barton - der beim Spekulieren große Verluste erzielt hatte - seine Frau und seine beiden Kinder umgebracht.

In den USA gibt es schätzungsweise 4000 bis 5000 Day Trader; manche von ihnen haben ihren regulären Beruf an den Nagel gehängt und sitzen nur noch vor ihrem Computer. Insgesamt gibt es in Amerika 62 Day-Trading-Agenturen.

Was die Aufseher der NASAA am meisten erzürnt: die Day-Trading-Firmen stacheln ihre Kunden immer wieder an, frisches Geld in Aktien zu stecken. Auch sei es in vielen Agenturen üblich, dass die Day-Trading-Firmen selbst den Investoren Kredite zur Verfügung zu stellen, um Verluste auszugleichen und neue Aktien zeichnen zu können.

Vor allem die aggressive Werbung für Day Trader ist den Aufsehern ein Dorn im Auge. Die Firma TCI Corp. wirbt etwa damit, dass Day Trading >=unbegrenzte Einkommensmöglichkeiten" eröffne. Die Blutbad-Firma All Tech hatte mit dem Slogan auf sich aufmerksam gemacht: >=Day Trading erlaubt einen Sechs-Einhalb-Stunden-Arbeitstag und Urlaub oder Ferien zu nehmen, wann immer man dazu Laune hat." Im Falle Mark Barton ging diese Rechnung allerdings nicht auf.


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