Wertpapierverwalter kritisieren Aktien-Glücksspiel - Mehrheit
der Anleger verliert ihr Geld
Von Martin Halusa
New York - Sie nützen die kleinsten Kursschwankungen an der Börse
aus, sie kaufen und verkaufen Wertpapiere binnen weniger Stunden;
sie müssen schnell handeln, einen großen Geldbeutel besitzen und
über Nerven aus Stahl verfügen. Doch eine Studie aus den USA beweist:
Day-Trading lohnt sich nicht. In den meisten Fällen verlieren
die Zocker nicht nur einen Teil ihres angelegten Geldes, sondern
bisweilen sogar ihr gesamtes Vermögen.
>=Day Trading ist eine Form des Spekulierens, nicht des Investierens",
heißt es in dem Bericht der Vereinigung Nordamerikanischer Wertpapierverwalter
(NASAA). Darin kritisiert die NASAA, dass die meisten Day-Trading-Firmen
ihre Kunden nicht auf die erheblichen Risiken beim tagesaktuellen
Investieren hinweisen. >=Die Kunden werden mit falschen Versprechungen
in die Irre geführt." Oftmals gaukelten die Unternehmen vor, dass
mit dem Day Trading Gewinne von 60 bis 70 Prozent am Tag möglich
seien. >=Die meisten Anleger verlieren ihr Geld", betont David
Shellenberger, der Autor dieser ersten Studie ihrer Art.
Erst kürzlich war in den USA auf die Szene der Day Trader ein
äußerst ungünstiges Licht gefallen, als der Anleger Mark Barton
in Atlanta ein Blutbad anrichtete. Bei dem Massaker waren neun
Mitarbeiter der Day-Trading-Firma All Tech ums Leben gekommen,
bevor sich der Attentäter selbst erschoss. Zuvor hatte Barton
- der beim Spekulieren große Verluste erzielt hatte - seine Frau
und seine beiden Kinder umgebracht.
In den USA gibt es schätzungsweise 4000 bis 5000 Day Trader; manche
von ihnen haben ihren regulären Beruf an den Nagel gehängt und
sitzen nur noch vor ihrem Computer. Insgesamt gibt es in Amerika
62 Day-Trading-Agenturen.
Was die Aufseher der NASAA am meisten erzürnt: die Day-Trading-Firmen
stacheln ihre Kunden immer wieder an, frisches Geld in Aktien
zu stecken. Auch sei es in vielen Agenturen üblich, dass die Day-Trading-Firmen
selbst den Investoren Kredite zur Verfügung zu stellen, um Verluste
auszugleichen und neue Aktien zeichnen zu können.
Vor allem die aggressive Werbung für Day Trader ist den Aufsehern
ein Dorn im Auge. Die Firma TCI Corp. wirbt etwa damit, dass Day
Trading >=unbegrenzte Einkommensmöglichkeiten" eröffne. Die Blutbad-Firma
All Tech hatte mit dem Slogan auf sich aufmerksam gemacht: >=Day
Trading erlaubt einen Sechs-Einhalb-Stunden-Arbeitstag und Urlaub
oder Ferien zu nehmen, wann immer man dazu Laune hat." Im Falle
Mark Barton ging diese Rechnung allerdings nicht auf.