Südwestdeutsche Zeitung

26.02.1999

Heftige Vorwürfe gegen Casino Baden-Baden

Ex-Aufsichtsrat greift Leitung wegen angeblicher Verstrickung in kriminelles Milieu an

BADEN-BADEN. 90 Millionen Mark haben die Spielbanken Baden-Baden und Konstanz 1998 an das Land abgeführt. Die Casino-Leitung spricht von Aufwind, Kritiker sehen dagegen fast verbrecherische Machenschaften.

Von Meinrad Heck

Seit seinem Austritt aus dem Casino-Aufsichtsrat gilt Hans Werner Kelch der Spielbank-Leitung als üüNestbeschmutzer''. Kelchs Vorwürfe, Spielsüchtige würden widerrechtlich zum Einsatz von Millionensummen verleitet, schrieb Casino-Chef Hartmann Freiherr von Richthofen 1995 Kelchs üüfortgeschrittenem Alter'' zu. Kelch bleibt auch vier Jahre nach seinem Abgang dabei. Schriftlich warnte er vor einer Woche seine ehemaligen Mitgesellschafter davor, sich üüweiter in die fast mafiosen Machenschaften der Geschäftsleitung der Spielbank Baden-Baden verstricken zu lassen''. Das Casino wies diese Vorwürfe gestern als üüStimmungsmache'' zurück.

Zwei Fälle hatten Mitte der neunziger Jahre Schlagzeilen gemacht. Ein Privatbankier aus Baden-Baden hatte mehr als zehn Millionen Mark verspielt, über 7,3 Millionen davon waren Kundengelder, die teilweise schwarz angelegt waren. Wegen Unterschlagung hatte ihn das Landgericht Baden-Baden 1994 zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die Spielbank, erklärte der Bremer Spielsuchtforscher Gerhard Meyer den Richtern seinerzeit, habe üüdas offensichtliche Suchtverhalten auf schamlose Weise ausgenutzt''. Bankkollegen strengten deshalb einen Schadenersatzprozeß an, den die Spielbank in erster Instanz gewann. Im April geht das Verfahren in die Berufung.

Nicht in allerbeste Gesellschaft begab sich im Januar 1994 Baden-Badens technischer Casino-Betriebsleiter Ludwig Verschl. Mit den später wegen zigfachen Millionenbetrugs zu hohen Haftstrafen verurteilten Brüdern Dieter und Gerhard Helbig gründete er eine üüFortuna Casino Betriebsgesellschaft'', um in Griechenland eine Spielbank zu betreiben. Das Geschäft platzte, weil Verschl bei einem Besuch in Griechenland feststellte, daß sich am geplanten Casino-Standort allenfalls üüFuchs und Hase gute Nacht sagen''.

Wenig später mußte sich Dieter Helbig auf der Flucht vor dem Staatsanwalt nach Südkorea absetzen. Als Repräsentant von Mercedes-Benz hatte er in Osteuropa Millionen veruntreut. Helbig wurde im August 1995 an Deutschland ausgeliefert und mit seinem Bruder abgeurteilt. Dennoch mag sich Verschl heute üünichtüber ihn beklagen''. Auch Helbig hatte in Baden-Baden Millionen verspielt, sei aber trotzdem üüseinen Verpflichtungen stets nachgekommen'' .

Sonderlich beunruhigt sind die Casino-Betreiber wegen dieser üüalten Geschichten'' nicht. Bei der Pressekonferenz gestern wies von Richthofen erneut alle Vorwürfe zurück. Statt dessen bilanzierte er Brutto-Spielergebnisse, die sich in Baden-Baden 1998 mit einem Plus von 1,6 Millionen auf 62 Millionen Mark summiert hätten. Weniger positiv ist der Saldo der Außenstelle Konstanz. Am Bodensee wird ein Minus von mehr als fünf Millionen Mark verbucht. Sorgen macht sich der Casino-Chef wegen der drohenden Konkurrenz in der Schweiz. Jenseits des Bodensees wird eifrig an einer neuen Spielbank gebastelt.

Tatsächlich reden die Baden-Badener aber dortüber Umwege ein gewichtiges Wort mit. Um die Schweizer Spielbanklizenz bewirbt sich auch eine Grand Casino SA in Zürich. 33 Prozent dieser Gesellschaft hält die Berliner German Casino Management Group. Deren zeichnungsberechtigter Geschäftsführer ist kein anderer als der Prokurist des Casinos Baden-Baden, Jörg Lemcke.

Der SPD-Landtagsfraktion kommen die Warnungen vor der eidgenössischen Konkurrenz, die das Land die Hälfte der Konstanzer Spielbankabgabe von 34 Millionen Mark jährlich kosten könnte, ziemlich üüscheinheilig'' vor. Anfang der Woche formulierten die Genossen einen Antrag, um Licht ins Schweizer Dunkel und üügewisse Vorkommnisse in Baden-Baden'' zu bringen.

 

© 1999 Stuttgarter Zeitung, Germany