Montag, 08. März 1999, 12:04 Uhr

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Lotto-Krieg: Gericht entscheidet morgen

Das Aus für Fabers Millionen-Spiel?

exp Bochum - Sein Spezialgebiet ist Statistik. Lotto-Statistik. Und  Marketing. Lotto-Marketing. Der Mann, der allwöchentlich für Hunderttausende Deutsche das Lotto-Glück organisiert. Und damit geschätzte 500 Mio Mark jährlich  umsetzt. Norman Faber (53), der Lotto-Zampano aus Bochum.

Ist es jetzt aus mit seinem Faber-Lotto ("Ohne wenn und aber...")? Der   Lotto-Krieg. Er tobt seit vier Jahren. Die staatlichen Lotterie-Gesellschaften   der Bundesländer gegen die private Tippgemeinschaft Faber. Morgen beginnt die Entscheidungsschlacht: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (höchste Instanz) muß entscheiden, ob Faber mit seinen Kunden weiter spielen darf.

Wie funktioniert Fabers Lotto-Masche? Auch Faber-Kunden spielen mit beim staatlichen Lotto. Doch: Wer seine sechs Kreuzchen auf einem normalen Spielschein macht, hat die Chance 1:1,38 Mio (0,000007 %), einen Volltreffer zu landen.

Wer mit Faber spielt, hat höhere Gewinn-Chancen. Denn: Faber-Lotto formt aus seinen Kunden Tippgemeinschaften mit bis zu 300 Spielern. Aber: Landet die einen Volltreffer, müssen sich die 300 Gemeinschaftstipper die Lotto-Millionen teilen.

Das Lotto-Spiel mit dem Geld anderer Leute. Faber-Lotto (150 Mitarbeiter) füllt die Lotto-Scheine für die Kunden aus, gibt sie ab. "Eine Service-Leistung", sagt   Norman Faber. Und kassiert für diese Dienstleistung Gebühren (ab 2,22 Mark) von den Kunden.

Ein Millionen-Geschäft, sonst könnte sich Faber nicht seine gigantischen Werbe-Kampagnen leisten (Hauptsponsor der Bundesliga-Kicker vom VfL Bochum).

Auch nicht seine 3300-Quadratmeter Zentrale in Bochum (10 Mio Mark teuer).

Warum wollen die staatlichen Lotto-Fürsten Faber kaputtmachen? Offizielle Argumentation vorm Gericht: Faber heize das Spielfieber durch reißerische Werbung zu stark an. Doch tatsächlich rebellieren die Lotto-Zentralen der Bundesländer (12 Milliarden Mark Jahresumsatz) dagegen, daß Faber seine gesammelten Tippscheine in NRW abgibt. Obwohl doch die Faber-Einsätze von Spielern aus ganz Deutschland stammen.

Also profitiere West-Lotto in Kölnübermäßig. Und das NRW-Finanzministerium in Düsseldorf. Denn: Von den Lotto-Einsätzen fließen 36,75 % (16,75 % Lotteriesteuer, 25 % Konzessionsabgabe) direkt in die Kassen der Bundesländer.

 

(c) Kölner Express, 1999