Bundespresseamt

Pech im Spiel

 

Fünf Jahre lang erhielt der Referatsleiter im Bundespresseamt (BPA), Wolf-Eckart Meyhoeffer, Geld aus der Glücksspielbranche. Dank eines Beratervertrags mit dem Spielautomatengersteller Gauselmann AG strich er von 1987 bis 1992 Honorar und Spesen von schätzungsweise 150.000 Mark ein. Nun prüft die Bonner Staatsanwaltschaft, ob der Staatsdiener mit der nicht genehmigten Nebentätigkeit seine Amtspflichten verletzt hat. Bis zur Klärung der Frage wurde der BPA-Mann beurlaubt. Meyhoeffer ist sich offenbar keines Unrechts bewußt: Der Beratervertrag, sagte er vorige Woche, sei "mein Privatvergnügen".

Meyhoeffers Pech: Sein Name steht auf der Honorarliste von PR-Beratern aus den Jahren 1987 und 1988, die "irgendein Neidhammel aus unserer Buchhaltung geklaut haben muß" (Firmenchef Paul Gauselmann). Welche Gegenleistungen Meyerhoeffer für den Lohn erbringen mußte, ist unklar. Immerhin aber brachte er auf zwei Sommerfesten des Bundespresseamtes, die er organisiert hatte, Politikern und Journalisten Gauselmanns Daddelmaschinen näher. Die Automaten waren eine viel beachtete Attraktion für die Gäste.

Ende der achtziger Jahre versuchte Gauselmann, zugleich Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI), die Branche vor einschneidenden Gesetzen zu bewahren. Auf seiner Beraterliste steht auch der ehemalige SPD-Fraktionsgeschäftsführer Karl Wienand; er erhielt 102.600 Mark, weil er dem Unternehmen zum NRW-Innenminister Herbert Schnoor "die Tür geöffnet" hatte. So konnte der Glücksspiel-Ritter im Namen der Branche direkt gegen eine geplante Erhöhung der Vergnügungssteuer intervenieren. Aber auch Wissenschaftler waren zu Diensten: 643.105 Mark kassierte des Sozialpsychologe und Freizeitwissenschaftler Leo Baumanns allein in den Jahren 1987 und 1988. Er trat als Vorsitzender eines Verwaltungsrates der "Gesellschaft zur Förderung der Freizeitwissenschaften" auf und pries Spielautomaten als "Bestandteil der Kultur". Auf PR-Veranstaltungen der Daddel-Branche redete er beharrlich die Risiken der Spielsucht klein.

 

Quelle: "Der Spiegel", 11.5.1998, S. 19