Gauselmann weist Vorwürfe zurück / Beamter erhielt fast 100 000 Mark

„Er hat für mich nichts geleistet"

Von Reinhard Günnewig

Espelkamp. Der Chef der Gauselmann Gruppe, Paul Gauselmann, wies alle Verdächti-gungen zurück, einen Referatsleiter des Bundespresseamtes (BPA) bestochen zu haben. Der Beamte war Anfang der Woche vorläufig beurlaubt worden, nachdem be-kanntgeworden war, daß er mehrere Jahre lang einen Beratervertrag mit dem Espel-kamper Spielautomatenhersteller hatte.

 

Nach Angaben von Gauselmann war der BPA-Mitarbeiter, dessen Name mit Dr. Wolf-Eckart Meyhoeffer angegeben wird, dem Unternehmen von der Hamburger Agentur Salaction empfohlen worden. Im Mai 1987 begann der Beamte seine Tätigkeit für die Espelkamper Firma und erhielt dafür monatlich durchschnittlich 1 500 Mark zuzüglich Spesen. Ende Juni 1992 sei die Vereinbarung im Rahmen allgemeiner, rezessionsbedingter Sparmaßnahmen wegen gekündigt worden. Gauselmann: „Der Mann hat mir nichts ge-bracht. Wir sind uns nur einmal begegnet." 1986 habe sich Dr. Meyhoeffer erfolglos als Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Automaten-Industrie (VDAI) beworben, dem Paul Gauselmann seit 1982 vorsteht.

Nach Angaben des Espelkamper Unternehmers sollte Dr. Meyhoeffer in Bonn Kontakte zu Abgeordneten und anderen Politikern herstellen. „Wir sind weit weg von der Front und wußten nicht, wie man mit Politikern umgeht", nennt Gauselmann das Motiv der Tätigkeit seines Bonner Mannes. Die mit ihm abgeschlossene Vereinbarung weise ausdrücklich auf die notwendige „rechtliche Abgrenzung zwischen einem Arbeitsvertragsverhältnis" und dem mit Gauselmann eingegangenen „Dienstverhältnis" hin. Kurz: Der in der Auslandsabteilung des Bundespresseamtes tätige Beamte hätte sein zusätzliches Engagement seinen Vor-gesetzten melden müssen. „Das hat er offenbar nicht getan", vermutet Vorstands-vorsitzender Paul Gauselmann.

 

Das Bundespresseamt wollte sich zu dem Vorgang gestern auf Anfrage unter Hinweis auf die staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht weiteräußern. Verweigert wurde auch eine Antwort auf die Frage, ob 1988 und 1989 Sommerfeste des Hauses, auf denen Gauselmann seine Spielautomaten präsentieren durfte, von Dr. Meyhoeffer organisiert wurden. „Wir werden das Ergebnis der Untersuchungen abwarten", so ein BPA-Sprecher. Es sei jedoch „schwer einzusehen, wo der Vorteil für Gauselmann gelegen hätte, wenn der Beamte Bestechungsgelder angenommen hätte".

 

Quelle: Neue Westfälische vom 9.5.1998